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Damals schrieb

Vom Kymre in Wales

Wien, 19. März 1869.

Sanft hügelig dehnt sich England von den Kreidefelsen an bis gegen die schottische Grenze hin. Dort beginnt die romantische Berggegend, das Land der Sturzbäche, der jähen Hänge, der einsamen Moore und hohen Haiden mit seinen zauberischen Seen, seinen wild zerrissenen Buchten und seinen von Ossianischem Sagendufte umwehten Eilanden. Aber auch im Westen ragt eine Bergveste empor – Wales, das Land der Arthur-Sage, um dessen nebelgekrönte Kuppen dichterische Erinnerungen an Merlin, den Zauberer, schweben; Wales, das an der Seite des „Angelsachsen“-Landes noch ein Stück keltischen Volksthumes bildet. In diese Berge herein wurden die Ur-Einwohner von dem siegreich vorrückenden Germanenstamme gedrängt, der aus den Niederungen unseres Vaterlandes und von der damals viel ausgedehnteren friesischen Inselgruppe nach Britannien gekommen war. Hier in dieser Felsenbastei fand der von deutschem Schwerte hart bedrängte Kymre eine Zuflucht. Grollend brütet er hier über Plänen der Wiederherstellung keltischer Unabhängigkeit.