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Musikverein

Mahler mit Holperern

Themenbild: Wiener Musikverein
Themenbild: Wiener Musikverein(c) Clemens Fabry
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Kritik
Daniel Barenboim und die Wiener Philharmoniker mit den ersten Symphonien von Mahler und Prokofieff.

Die Philharmoniker haben zumindest einen großen Vorteil: Wenn die Chemie nicht stimmt, wird der betreffende Maestro einfach nicht mehr eingeladen. Die Lage in Berlin ist schwieriger: Daniel Barenboim sorgt an der Staatsoper und am Pult der Staatskapelle als deren „Chefdirigent auf Lebenszeit“ nach außen hin für Starglanz und große Stücke vom Budgetkuchen. Nach innen aber, so wird anlässlich der anstehenden Vertragsverlängerung diskutiert, sei durch seinen autoritären Probenstil schon viel Seelen- und Nervenporzellan in Scherben gegangen.

Vielleicht also kam dem 76-jährigen Workaholic ein Abstecher zu den Wienern gerade recht – mit einem Programm übrigens, das er mit den Philharmonikern am 12. April auch in der Berliner Staatsoper wiederholen wird. Die symphonischen Erstlinge von Prokofieff und Mahler sind freilich ein originelles Gespann, aber wollten bei diesem freitäglichen Musikvereinskonzert vor den Abonnementterminen am Wochenende durchaus nicht so glänzend gelingen, dass einem Perfektionisten das Herz höher geschlagen hätte. Dabei schien zumal die „Symphonie classique“ diesmal beinahe für konzertierende Sekundgeigen und Orchester instrumentiert: Die alte deutsche Sitzordnung mit den zweiten Violinen rechts hilft enorm, das intrikate Motivgeflecht dreidimensional aufzuschlüsseln. Leider gab's schon nach wenigen Takten einen Wackler – und für Prokofieffs verschmitzten Humor schien immer wieder die Muße zu fehlen, ganz besonders im mutwillig rasant genommenen Finale, das deshalb eher gehetzt als springlebendig klang. Bei Mahler wechselten dann expressive Details mit kleinen Holperern. Das in der Partitur verlangte Aufstehen der Hörner beim Schlusschoral verschmäht Barenboim, so wie weiland Pierre Boulez – schade. Die Leidenschaft, die er aus den Philharmonikern geradezu herauszubeuteln schien, verfehlte ihre Wirkung dennoch nicht: Jubel! (wawe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2019)