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Kurz ist "Sprachwahrer des Jahres 2018": Vom Urteil einer Zeitung

Ist er tatsächlich ein Sprachwahrer? Und warum?
Ist er tatsächlich ein Sprachwahrer? Und warum?REUTERS
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Die Leser der "Deutschen Sprachwelt" loben, dass Kanzler Kurz sich "ohne Geschrei Gehör" verschaffe. Auch Kunasek wurde gewürdigt - Kickl aber nicht.

Die vierteljährlich erscheinende Sprachzeitung "Deutsche Sprachwelt" macht vor allem dann von sich reden, wenn sie den "Sprachwahrer des Jahres" wählt. Diesen Titel bekamen bereits die Deutsche Bahn für ein Glossar, wie Anglizismen ersetzt werden könnten. Oder die Kabarettistin Monika Gruber, weil sie sich über politisch korrekte Sprache lustig machte. Oder ein Student, der sich gegen schlechtere Noten wehrte, weil er keine "gendersensible Sprache" verwenden wollte. Vor zehn Jahren wurde übrigens der deutsche Minister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgezeichnet, weil er sich "für eine ehrliche Sprache" einsetze. Was im Nachhinein - er scheiterte an einer Plagiatsaffäre - doch recht ironisch ist.

Auch heuer geht der Titel wieder an Politiker: ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz wurde von den Lesern der Zeitung auf Platz eins gewählt. Warum das? Er habe durch seine "Beredsamkeit" überzeugt, teilte die "Deutsche Sprachwelt" mit. Er verstehe es, "mit wohlgesetzten Worten auch schwierige politische Zusammenhänge verständlich darzustellen" und verschaffe sich "ohne Geschrei Gehör und wende sich gegen eine Verrohung der Sprache".

Der Verteidigungsminister und das Binnen-I

Außerdem sind die Leser von den politischen Maßnahmen der ÖVP-FPÖ-Regierung überzeugt: Die "Deutschklassen" überzeugten ebenso wie die Koppelung der Sozialleistungen ans Deutschlernen. Hinter Kurz folgt mit FPÖ-Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) ein weiteres Mitglied der Bundesregierung. Kunasek wurde dafür gewürdigt, dass er in seinen Schriftstücken auf das "Binnen-I" verzichte.

Die österreichische Bundesregierung entideologisiert auch in anderen Bereichen die Verwaltung und "befreit den Sprachgebrauch von Genderismen". "Möge dieser liberale Geist auch in die Stadtverwaltungen und in die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einziehen", wünscht sich die Sprachzeitung.

Wo kein liberaler Geist herrscht

Dass in anderen Ministerien von diesem liberalen Geist wenig zu spüren war, wurde offenbar nicht bedacht. Innenminister Herbert Kickl benannte die Erstaufnahmezentren für Asylwerber ja zu Ausreisezentren um - und impliziert damit, dass alle Asylwerber ausreisepflichtig seien, auch wenn sie (noch) keinen abschlägigen Bescheid erhalten haben.

Die "Deutsche Sprachwelt" ist laut eigenen Angaben mit rund 80.000 Lesern die größte deutsche Zeitschrift für Sprachpflege und Sprachpolitik im deutschsprachigen Raum. Ihre Leser wählen seit dem Jahr 2000 "Sprachwahrer des Jahres", um vorbildlichen Einsatz für die deutsche Sprache zu würdigen. Die Auszeichnung erhielten bisher u.a. der Fußballer Miroslav Klose (2016), der verstorbene Satiriker Loriot (2011) und Papst Benedikt XVI. (2005).

 

(rovi)