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Klassik

Die verborgenen Qualitäten der Virtuosität

Mariss Jansons.
Mariss Jansons.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Mariss Jansons setzte auch am zweiten Abend seines Gastspiels ausschließlich auf Effekt-Stücke.

Mariss Jansons hatte nie Scheu, ganze Abende ausschließlich aus orchestralen Virtuosenstücken zu bauen, aus den sogenannten Reißern des Repertoires. Auf Tournee mit seinem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks knüpft er an diese einst mit den Osloer Philharmonikern begründete Tradition an. Und der Effekt von damals stellt sich wieder ein. Es ist ja gewiss nicht schwierig, mit einer Ouvertüre von Berlioz oder der „Orgelsymphonie“ von Camille Saint-Saëns Applaus zu ernten. Nur: Jansons gelingt es, solche Partituren gleichsam zu entfetten: Orchester tragen bei Stücken dieses Kalibers ohnehin dick genug auf, wenn sie nur realisieren, was da steht. Wer Steigerungswellen noch emotional auflädt, erntet leicht hohlen Bombast. Wer aber, wie Jansons das mit seinen Bayern tut, auch im hymnischen Fortissimo – dem Iveta Apkalna mittels neuer Musikvereins-Orgel noch kräftig vibrierende Akkorde unterlegt – die Übersicht bewahrt, nicht „drauf drückt“, der überzeugt auch ein kritisches Publikum. In Wien rümpft man über französische Romantik gern die Nase – wenn Jansons sie serviert, wird haltlos gejubelt, nicht zuletzt über die subtilen Pianissimo-Schattierungen.