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"Triple Frontier": Fünf Freunde berauben einen Drogenboss und alles wird gut?

Ben Affleck verkörpert als Tom Davis einen Mann, der alles andere als ein Held ist.
Ben Affleck verkörpert als Tom Davis einen Mann, der alles andere als ein Held ist.(c) Netflix

Seit einer Woche ist der Film mit Ben Affleck auf Netflix verfügbar. Regisseur J. C. Chandor verweigert sich darin konsequent simplen Gut-und-Böse-Mechanismen.

Es klingt nach einer einfachen Geschichte, wie sie Hollywood schon tausende Male erzählt hat: Fünf ehemalige Elitesoldaten berauben einen Drogenboss. Gut und Böse sind übersichtlich verteilt. Mit Ben Affleck und Charlie Hunnam sind auch die passenden Stars mit an Bord. Doch Regisseur J. C. Chandor ("Margin Call", "A Most Violent Year") verweigert sich den Zuschauererwartungen konsequent. Aus einem militärisch angehauchten Buddy- und Heistmovie-Verschnitt nach "Oceans 11"-Vorbild wird spätestens ab der Hälfte des Films ein abgründiger Trip, der die wenig sympathischen Seiten der fünf "Helden" in den Vordergrund stellt.

Zur Handlung: Ex-Soldat Santiago "Pope" Garcia (Oscar Isaac) verdingt sich als Berater und Söldner im Kampf gegen Drogenkartelle in Brasilien. Als er erfährt, wo sich der Drogenboss Lorea mit vielen Millionen Dollar im Dschungel versteckt hält, reift in ihm ein Plan. Dabei denkt er an seine ehemaligen vier Militär-Kameraden. Diese fristen in unterschiedlich starker Ausprägung ein typisches Dasein von Ex-Soldaten, die sich nach der Rückkehr in der Gesellschaft nicht mehr zurechtfinden. Darum sucht sich Garcia auch aus. Er will mit ihnen den Kartellboss ausrauben und töten, Unschuldige aber nicht in Gefahr bringen. Seine Freunde zeigen sich aber erst einmal zurückhaltend. Denn eines ist klar: Ziehen sie das Ding durch, werden sie ab sofort Kriminelle sein.

Fünf Freunde schmieden einen Plan.
Fünf Freunde schmieden einen Plan.(c) Netflix

Spoiler-Warnung: Wer nicht wissen will, ob der Coup gelingt, sollte folgenden Absatz nicht lesen.

Garcia lotst Affleck und Co. also in den brasilianischen Dschungel, wo der Überfall geplant wird. Dieser gelingt, doch damit gehen die Probleme erst los. Denn es bleibt nicht bei der Tötung des Drogenbosses. Statt der erwarteten 75 Millionen erbeuten die fünf Kameraden sogar 250 Millionen Dollar, eine unvorstellbar hohe Summe, die in der Praxis erst einmal zur Seite gebracht werden muss. Das stellt das räuberische Quintett vor fast unlösbare Aufgaben. Es sind die stärksten Momente dieses Films, wenn sich Affleck und Co. wieder einmal von ein paar Millionen verabschieden müssen, um zu überleben. Ausgerechnet der von Ben Affleck verkörperte Tom Davis, ein zu Beginn des Films geerdeter Familienmensch, der nur widerwillig mitmacht, verfällt angesichts der unglaublichen Geldmengen in einen Rausch nach Mehr, den das Team fast mit dem Leben bezahlen muss.

Eine Metapher über Gier

"Triple Frontier" ist eine Metapher über Gier (hier kehrt der Regisseur wieder zu seinen Wurzeln des Finanzkrisen-Thrillers "Margin Call" zurück), vor der niemand gefeit scheint. Seit Erscheinen des Films am 13. März auf Netflix wurde viel Kritik an "Triple Frontier" geübt. Chandor sei der falsche Regisseur (ursprünglich war Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow vorgesehen), der Film funktioniere nur eine Hälfte lang, die Schauspieler würden gehemmt agieren, die Handlung sei enttäuschend. Dem kann man teilweise zustimmen, vor allem der Kampf ums Überleben in der zweiten Hälfte des Films wird nicht wirklich greifbar. Auch die Szene, in der Geld verbrannt wird, wirkt nicht wirklich existenziell, sondern plump plakativ.

Der größte Vorwurf also: Der Film weiß nicht recht, was er sein will. Dennoch macht ihn dieses Nicht-Glattgebügeltsein wieder besonders. "Triple Frontier" mag kein Meisterwerk sein, ein solides Stück Streamingkost ist es allemal. Und es bleiben diese drängenden Fragen auch nach Ende des Abspanns: Wie weit würde man selbst gehen? Wieviel Geld ist genug?