Schnellauswahl

Wie gefährlich sind Blutkonserven?

FEATURE: BLUTSPENDEZENTRALE
In Kärnten ist eine Frau an Malaria gestorben – vermutlich durch eine verunreinigte Bluttransfusion. Wie sicher sind Blutkonserven?APA
  • Drucken

Eine Kärntnerin stirbt nach einer Hüft-OP an Malaria – sie soll sich durch eine verunreinigte Bluttransfusion infiziert haben. Für Blutspender gibt es strenge Kriterien. Auf die Tropenkrankheit werden sie aber nicht getestet.

Wien/Klagenfurt. Es war eigentlich nur eine Routineoperation, der sich eine Frau in Klagenfurt im Elisabethinenkrankenhaus unterzog. Die Operation an der Hüfte dürfe die 86-Jährige aber das Leben gekostet haben.

Wie die „Kleine Zeitung“berichtete, soll die Patientin eine verunreinigte Blutkonserve erhalten haben, die sie mit Malaria infizierte. Wenige Tage später starb die Frau. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, die Blutkonserve wird auf Malaria-Erreger untersucht, ein Ergebnis soll am Freitag vorliegen.

Blutspender müssen strenge Kriterien erfüllen, ganz kann die Übertragung von Krankheiten dennoch nicht ausgeschlossen werden. Wie gefährlich sind Blutkonserven?

1.  Wie gefährlich ist es, mit einer Blutkonserve infiziert zu werden?

Sollte sich der Fall in Kärnten bestätigen, wäre es die erste Malaria-Ansteckung durch eine Blutkonserve. 2013 wurde eine Patientin des Otto-Wagner-Spitals in Wien durch eine Blutkonserve mit dem HI-Virus infiziert. Der Blutspender hatte sich kurz zuvor angesteckt, was zu dem Zeitpunkt noch nicht nachweisbar war.

Das Risiko, sich durch eine verunreinigten Bluttransfusion mit einer Krankheit anzustecken, ist also da, aber trotzdem extrem gering. Die Wahrscheinlichkeit, mit HIV infiziert zu erkranken, liegt bei 1 zu 4,3 Millionen. Etwa im selben Risikobereich befinde sich die Gefahr für eine Malaria-Ansteckung, erklärt Albert Sima, Ärztlicher Leiter der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes in Kärnten.

2. Auf welche Krankheiten werden Spender getestet?

Spenderblut wird auf mehr als 15 Parameter getestet, darunter die Krankheiten Syphilis, Aids, vier Arten von Hepatits, Ringelröteln unddas West-Nil-Fieber. Malaria ist nicht dabei.

Ein Malaria-Test sei im Blutsicherheitsgesetz nicht vorgesehen, an das man sich „mit Punkt und Komma“ halte, heißt es beim Roten Kreuz. Zudem sei er nicht so einfach wie ein Test auf andere Infektionserreger. Schnelltests würden oft keine eindeutige Diagnose zulassen. „Das wichtigste Instrument ist nicht die Testung, sondern die Befragung vor der Blutspende,“ sagt Sima. So werden Spender etwa gefragt, ob sie in im vergangen halben Jahr im Ausland waren. Hier sei man darauf angewiesen, dass Spender die Wahrheit sagen. Wer wissentlich unwahre Angaben macht, wird für immer vom Spenden ausgeschlossen. Unter Umständen muss er auch mit einem Strafverfahren rechnen.

3. Wer darf in Österreich Blutspenden? Wer ist ausgenommen?

Blut spenden dürfen alle – gesunden – Männer und Frauen ab 18 Jahren, die mindestens 50 Kilogramm wiegen und einen Body-Mass-Index von mindestens 19 haben. Eine Altersgrenze gibt es nicht, allerdings dürfen Erstspender nicht älter als 60 Jahre sein. Von einer Spende ausgenommen sind Schwangere, Frauen nach einer Geburt sowie Stillende. Auch nach Krankheiten, Einnahme von Antibiotika, Tätowierungen und Piercings gibt es gewisse Wartefristen. Homosexuelle Männer sind von der Blutspende ebenso ausgeschlossen, da bei ihnen ein signifikant höheres Infektionsrisikos für HIV besteht.

4. Wie viel Blut wird in Österreich gespendet?

Rund 219.000 haben im Jahr 2017 Menschen Blut gespendet, das sind etwa 3,67 Prozent der spendefähigen Österreicher. Das ergab 347.865 Blutkonserven, was den Bedarf an Blutspenden deckt. Bei einer Blutabnahme dürfen höchstens 13 Prozent des zirkulierenden Blutes entnommen werden. Zwischen zwei Blutspenden müssen etwa acht Wochen liegen, damit der Körper das entnommene Blut wieder ersetzen kann. Frauen können vier- bis fünfmal, Männer sechsmal im Jahr spenden.

5. Ist es möglich, das Risiko einer Ansteckung zu minimieren?

Es gibt die Möglichkeit der Eigenblutvorsorge. Das bedeutet, dass bei Operationen nur Blut zum Einsatz kommt, das vorher selbst hinterlegt wurde. Die Methode ist aber nur in relativ wenigen Fällen eine Option. Der Operationstermin muss vorher bekannt sein, außerdem ist die spendbare Menge selbst bei sonst gesunden Patienten auf wenige Beutel beschränkt. Denn länger als 42 Tage sind die gespendeten Konserven nicht haltbar. Auch die maschinelle Autotransfusion ist möglich. Dabei wird das eigene Blut, das während der Operation austritt, aufgefangen, gereinigt, aufbereitet und wieder verabreicht. (twi/APA)


[PB5FM]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2019)