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Bringt Google gerade die gute alte Konsole um?

„Die Zukunft des Gaming ist keine Box“, verkündete Google auf der Game Developers Conference.
„Die Zukunft des Gaming ist keine Box“, verkündete Google auf der Game Developers Conference.(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/JUSTIN SULLIVAN (JUSTIN SULLIVAN)
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Google greift nach dem Geschäft mit den Gamern. Der neue Spieledienst Stadia kommt ohne Hardware aus.

Wien. Während Google in Brüssel wieder einmal eine Milliardenstrafe von den EU-Wettbewerbshütern kassierte, ging der Konzern andernorts in die Offensive: „Die Zukunft des Gaming ist keine Box“, verkündete der einstige Suchmaschinenbetreiber auf der Game Developers Conference – und lieferte gleich seine Version der Zukunft nach: „ernsthaft“ Computer spielen, ganz ohne teure Konsolen und hochgerüstete Gaming-PCs. Möglich machen will das, wenig überraschend, Google selbst. Mit dem hauseigenen Spieledienst Stadia soll der Einstieg ins Milliardengeschäft mit den Gamern glücken.

Der Clou bei Stadia: Statt den Spielern die notwendige Rechnerleistung für grafisch aufwendige Spiele in einem Gerät verpackt zu verkaufen, wird diese Aufgabe an die Datencenter von Google ausgelagert. Viel mehr als einen Laptop, eine schnelle Internetverbindung und einen bluetoothfähigen Controller braucht es dann im Grunde nicht mehr. Damit liefert Google die ultimative Kampfansage an die Spieleveteranen von Nintendo über Sony bis Microsoft.

Aber kann der Internetkonzern auch halten, was er verspricht?

 

Noch keine Spiele für Stadia

Immerhin ist Google nicht das erste Unternehmen, das dem Computerspielen über die Cloud zum Durchbruch verhelfen will. Bisher scheiterten die meisten Angebote aber daran, dass das Spielerlebnis über das Internet eben doch nicht an jenes mit Konsolen und Gaming-PCs herankam.

Google hat allerdings die besten Voraussetzungen, um der 1,35 Milliarden Dollar schweren Spielebranche den Takt vorzugeben. Kaum ein anderes Unternehmen hat eine solche Dichte an Datencentern rund um den Globus und vereint so viel Rechenleistung auf sich. Zudem will sich Google für Stadia auch nicht auf das allgemeine Internet-Backbone verlassen, sondern wird sein eigenes, Tausende Kilometer langes Glasfasernetz nutzen, um die Daten schnell genug zu transportieren. Die Grafikchips kauft Google übrigens bei AMD. Die Aktien des Herstellers legten am Mittwoch kräftig zu.

Mit YouTube hat Google zudem den idealen Kanal zur Fangemeinde in der Hand, der auch als Portal zu Stadia fungieren wird. Die Nutzer sollen mit Stadia nicht nur Spiele online spielen, sondern sie auch direkt in 4K-Qualität aufnehmen und auf YouTube streamen können. Schon heute schauen über 200 Millionen Menschen am Tag anderen Leuten auf YouTube beim Computerspielen zu.

Der größte Haken bei Googles Angriff: Es gibt noch keine Spiele für Stadia. Angekündigt wurde nur der Ego-Shooter „Doom: Eternal“. Seit Herbst können Nutzer zudem „Assassin's Creed: Odyssey“ über Googles Chrome-Browser spielen. Um solche Titel zu spielen, muss man üblicherweise Hunderte Euro in eine Konsole oder mehr in einen Gaming-PC investieren. In Tests lief „Assassin's Creed“ bei Google auch auf schwachen Computern gut, solange die Internetverbindung schnell genug war. Der Erfolg von Stadia wird davon abhängen, ob es Google gelingt, exklusive Spiele an Land zu ziehen.

Die Aktienkurse von Nintendo und Sony gaben angesichts des neuen Rivalen teils kräftig nach. Dabei dürfte sie das langsame Ende der Konsole nicht wirklich überrascht haben. Sony lässt seine Kunden heute schon Playstation-Titel über die Cloud spielen. Auch Microsoft und Nintendo ziehen nach. Dazu kommen Branchenneulinge wie Amazon, das vor fünf Jahren die populäre Spiele-Streamingplattform Twitch gekauft hat. „Konsolen werden irgendwann nicht mehr notwendig sein“, sagte auch Nintendos Finanzchef, Hiroki Tokoti. Nachsatz: „Aber das braucht noch Zeit.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2019)