Domingos Doge ist müde geworden

Themenbild: Wiener Staatsoper
Themenbild: Wiener Staatsoper(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Plácido Domingo gastiert zum zehnten Mal an der Staatsoper als Titelheld von „Simon Boccanegra“: Szenen eines langen Abschieds.

Am Tag nach dem 1000. „Rosenkavalier“ im Haus am Ring gab es schon wieder ein Jubiläum, wenn auch ein wesentlich kleineres. Gut, das zehnte (!) Jahr von Plácido Domingos Baritonbemühungen im Karrierespätherbst wird erst im Dezember voll; aber es war auch, nach längerer Pause, sein zehnter Wiener Auftritt als Verdis „Simon Boccanegra“. Disziplin, Ehrgeiz, Stehvermögen des Künstlers sind legendär – und den Kassenreport überschattet nicht einmal die Tatsache, dass ihm so manche Bewunderer die Gefolgschaft aufgekündigt haben, weil er in seinen Alterspartien dem Vergleich weder mit seinem jüngeren Tenor-Selbst noch mit echten Baritonkollegen standhalten könne.

Die wahren Fans kümmert das nicht, sie tragen den Star weiter auf Händen – oder den Schultern wie der Staatsopernchor den frisch gekürten Dogen von Genua. Das hat etwas Rührendes, auch wenn viele Einsätze im Echokanon mit dem Maestro suggeritore Mario Perktold erklingen. Aber wenn die Kräfte des Simon Boccanegra schon lang vor Einnahme des Gifttranks schwinden und sich das eineinhalb Akte dauernde Sterben ein bisschen zu deutlich im Gesang widerspiegelt, tut das auch auf eine Weise weh, die man sich im Theater nicht wünscht . . .

Von den Noten überrascht

Richtig wunschgemäß verlief der hörbar nachlässig vorbereitete Abend ohnehin nicht, der schon mit einem Schmiss des (dann stimmlich markanten) Marco Cariaals Paolo begann. Philippe Auguin beließ es am Pult bei einer Mischung aus Ordnung, Phlegma und aufgeputschten Aktschlüssen. Schade, dass manche Bläser von ihren Noten dort und da überrascht schienen, etwa, als es galt, die Naturszene für Amelias Auftritt zu malen.

Hausdebütantin Eleonora Buratto ließ aparte Sopranfrische ebenso hören wie technische Mängel. Und ganz so dramatisch und vor Pathos bebend, wie ihn Francesco Meli sang, müsste der Adorno gar nicht klingen. Aber immerhin ist der ins Heldische drängende Tenor zu einer dynamischen Feinzeichnung fähig, die Kwangchul Youn mittlerweile abgeht: Er war schon bei Domingos erstem Simon in Berlin unter Barenboim mit dabei, doch sein damals noch weitaus differenzierterer Fiesco hat sich in ein Dauerdröhnen abgestumpft – ein allzu spätes Wiener Rollendebüt.

Weitere Aufführungen: 25., 29. 3., 1. 4.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2019)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.