Copyright-Reform: Es geht nicht um Memes, es geht um Macht und Monopol

Die digitalen Riesen, die gegen die EU-Reform agitieren, halten zwar wenig von Urheberrechten auf Ton, Text und Bild - wenn es aber ums Copyright für ihre kostbaren Algorithmen geht, verstehen sie keinen Spaß.

Gegen den Karneval anzuschreiben ist ein undankbarer Job. Vor allem dann, wenn der Karneval sowohl im World Wide Web als auch auf den Straßen der europäischen Metropolen stattfindet. Doch im Fall der jüngsten Demonstrationen gegen die geplante Reform des EU-Urheberrechts kommt man um diesen undankbaren Job nicht umhin. Auf die Gefahr hin, wie ein mieselsüchtiger Troglodyt zu wirken: Die vielen (meist jungen) Menschen, die in Wien, Berlin und anderswo mit großer Leidenschaft gegen die Änderung der Copyright-Vorschriften protestieren, agieren als unbezahlte Lobbyisten der Internet-Plattformen.

Der Protest richtet sich gegen neue Regeln zum Umgang mit urheberrechtlich geschützten Inhalten. Die Gegner der EU-Reform argumentieren, dass der verstärkte Schutz, den Brüssel den Copyright-Inhabern gewähren will, nur mit Mitteln der algorythmischen Zensur erreicht werden kann. Sie fürchten, dass all das, was im Internet Spaß macht - lustige Memes, Kurzvideos, Fotocollagen und Ähnliches - künftig dem Upload-Filter zum Opfer fallen wird.

Auch die Internet-Großkonzerne sind gegen Upload-Filter - nur aus einem ganz anderen Grund. Sie verdienen ihr Geld mit Content, der über ihre Plattformen bewegt wird. Die Überwachung dieser Inhalte ist kostspielig und schmälert die Gewinnspannen. Die Tatsache, dass die Kritik aus völlig unterschiedlichen Richtungen kommt, aber dasselbe Ziel hat, lässt sich auf zwei Arten interpretieren. Entweder der Gesetzesvorschlag ist unfassbar schlecht, oder ein Teil der Kritiker hat etwas nicht verstanden. Im Fall des europäischen Urheberrechts ist es Letzteres. Google, Facebook und Co. wissen genau, warum sie die Copyright-Reform verhindern wollen. Die Demonstranten hingegen glauben, es geht um lustige Katzenfilme und Video-Blogs, während es in Wahrheit um Macht und Monopol geht.

Der Internet-Pionier Jaron Lanier, der die Reform befürwortet, hat in der aktuellen Ausgabe der "Zeit" wortgewaltig beschrieben, was auf dem Spiel steht: Die Internet-Giganten brauchen einen möglichst freien Informationsfluss, weil sie ihre Software mit Content aufpäppeln. Je mehr Content, desto klüger die Künstlichen Intelligenzen - und desto besser die Algorithmen, die User an soziale Netzwerke ketten.

Wenn das Prinzip, dass Urheber nicht entlohnt werden müssen, erst einmal etabliert ist, wird es eines unschönen, nicht allzu weit entfernten Tages nicht mehr möglich sein, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Denn eines ist klar. Die digitalen Riesen halten zwar wenig von Urheberrechten auf Ton, Text und Bild - wenn es aber ums Copyright für ihre kostbaren Algorithmen geht, verstehen sie keinen Spaß.