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17-Jähriger schreibt ein Lernbuch: „Die Schule braucht ein Update“

Hadrigan gibt Tipps zum Lernen mit Social Media – sein Kalender ist aber analog.
Hadrigan gibt Tipps zum Lernen mit Social Media – sein Kalender ist aber analog.(c) Clemens Fabry
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Benjamin Hadrigan klagt, dass die Schule veraltet sei. Einst ein schlechter Schüler, studiert er vor der Matura an der Uni. Und gibt anderen Lerntipps.

Auf 17 Jahre würde man Benjamin Hadrigan nicht schätzen – wüsste man nicht, dass er noch nicht einmal die Matura in der Tasche hat: Er ist adrett gekleidet, mit festem Händedruck, sehr eloquent und nur sehr selten ein kleines bisschen unsicher. Und dann ist da noch die Tatsache, dass der junge Wiener schon jetzt einiges gemacht hat, was manche ältere wohl nie tun werden.

Hadrigan studiert seit zwei Jahren außerordentlich an der Wirtschaftsuniversität. Er hat voriges Jahr einen Onlinebekleidungshandel gegründet, dessen offizieller Chef sein älterer Bruder ist, weil so junge Unternehmer in Österreich gar nicht vorgesehen sind. Und jetzt hat er auch noch ein Buch geschrieben. Eines, in dem es ums Lernen geht. Und mit dem er Schülern viele Schwierigkeiten ersparen möchte, mit denen er selbst einst gekämpft hat.

Es ist fast eine kleine Heldengeschichte, die da erzählt wird. Einst so schlecht in der Schule, dass daran gezweifelt wurde, ob er das Gymnasium schafft, reißt Hadrigan als Elfjähriger das Ruder herum. Er beschäftigt sich mit Lerntechniken und stellt sich seine Methode zusammen. Er fotografiert Karteikarten und schickt sie Mitschülern per WhatsApp. Und entwickelt auf dieser Basis eine Lernmethode, in denen soziale Medien zentral sind.

Bei den Nachhilfestunden, die er ab 13 gab – das ging schnell, so wie offenbar vieles –, habe er relativ bald bemerkt, dass die Probleme häufig gar nicht nicht am Fach liegen, sondern daran, dass sehr viele Schüler überhaupt nicht wissen, wie sie lernen sollen. Das ist einer der Punkte, die der 17-Jährige am Schulsystem kritisiert: „Es wird einem nicht beigebracht, wie man Lernen lernt.“ Dabei könnte man das leicht lösen – etwa mit einem eigenen Fach oder ein, zwei Tagen Lerncoaching in der ersten Klasse.

„Schule wird zusammenbrechen“

Überhaupt sei die Schule veraltet. „Seit dem 18. Jahrhundert hat sich das System nicht wesentlich verändert“, sagt Hadrigan, der sich bei diesem Thema regelrecht in Rage reden kann. „Das war so ein Wahnsinn für mich.“ Maria Theresias Idee sei genial gewesen – aber bei der Umsetzung hapere es inzwischen. „Und dieses Schulsystem wird irgendwann zusammenbrechen – vielleicht nicht heute, nicht morgen. Aber irgendwann wird es so sein.“

Es finde keine wirkliche Stärkenentwicklung statt. Im Gegenteil: Kindern werde die Lust am Lernen kaputt gemacht. „In der Volksschule erfahren sie zum ersten Mal, dass ihre Fragen dumm sein können“, schreibt er im Vorwort zu seinem sehr praktisch gehaltenen Buch mit Tipps und Tools, etwa, wie man Instagram zum Lernen verwendet. „Wer auffällig ist, nervt. Wer zu viel wissen will, nervt. Wer gegen starres Denken rebelliert, nervt.“

Hadrigan rebelliert gegen starres Denken: Er hat die Vision einer Schule, die sich die Digitalisierung zu eigen macht. „Unser Schulsystem braucht ein Update, eine Renovierung.“ Langfristig müsse es ganz anders aussehen. „Meine Wunschschule ist virtuell.“ Irgendwann werde das auch so sein. Er geht in diese Richtung: Ab Mitte August bringt er Tipps als Videos und hält Onlinekurse. Schon vorher beantwortet er Fragen zum Buch per E-Mail.

„Hatte immer andere Ideen“

Wenn man ihn fragt, wie er darauf gekommen sei, noch vor der Matura an die Uni zu gehen, ein Unternehmen zu gründen, ein Buch zu schreiben, zuckt Hadrigan mit den Schultern. „Ich hatte immer ein bissl andere Ideen“, sagt er. Und beeilt sich, mit einem Grinsen, einige Stereotype zu entkräften, die mit jungen Überfliegern einhergehen: Er sei kein sozial unfähiger Nerd, auch nicht von den Eltern getrieben.

Seine Karriere als normaler Schüler an einem Gymnasium in Wien Donaustadt hat er freilich vor vier Monaten beendet: Hadrigan ist nun Externist – anders ginge sich das mit den vielen Fehlzeiten nicht aus. Kommendes Jahr will er die Matura machen. Die Schule werde auf jeden Fall pünktlich abgeschlossen. Anders kann man es sich eigentlich auch nicht vorstellen.

ZUR PERSON

Benjamin Hadrigan (17) studiert außerordentlich an der WU. 2018 hat er den Online-Shop Betterman gegründet. Nun ist sein Buch erschienen: „#Lernsieg: Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp“ (edition a, 20 Euro), dazu gibt es eine Webseite, über die er künftig Kurse verkauft: www.bettercademy.eu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2019)