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Kärntner Büchsenmacher sollen Waffen an die Camorra gefliefert haben

Die Polizei deckte einen internationalen Waffenhändlerring auf. Insgesamt gab es 22 Festnahmen, darunter zwei verdächtige Kärntner.

Vor einigen Tagen war die Aufsehen erregende Affäre rund um Waffenhändler für die neapolitanische Camorra Thema in italienischen Medien. Am Dienstag hat die EU-Justizagentur Eurojust neue Details bekannt gegeben. Der Fall zieht Kreise bis nach Österreich. Insgesamt seien schon 22 Festnahmen - zwei davon in Kärnten - erfolgt und 139 Feuerwaffen sowie 1600 Schuss Munition beschlagnahmt worden.

Die Erhebungen hatten in Italien begonnen und länger als ein Jahr gedauert. In Italien war die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft in Neapel federführend gewesen. Auf Basis einer europäischen Ermittlungsanordnung seien dann von den österreichischen Behörden Untersuchungen in Klagenfurt durchgeführt worden. Dabei seien wichtige Beweise gesammelt worden.

Enge Zusammenarbeit der Behörden

Eurojust habe drei Koordinierungstreffen abgehalten, um die Polizei- und Justizbehörden in Italien und Österreich zusammenzubringen. Darauf seien sechs Aktionen geplant, koordiniert und durchgeführt worden. Unter den Festgenommenen waren den Angaben zufolge zwei Kärntner Büchsenmacher, die mehr als 800 Pistolen und 50 Kalaschnikows mit entfernten Seriennummern an organisierte kriminelle Gruppen verkauft hätten, erklärte Eurojust.

Die Waffen dürften ursprünglich aus Osteuropa gekommen sein. Zunächst wurde in Italien ein Kurier mit 15 Pistolen ohne Seriennummern sowie im Besitz von zehn Revolvern, fünf automatischen Gewehren und 400 Schuss Munition verhaftet. Zwölf weitere Pistolen und zwei automatische Waffen wurden schließlich samt 600 Schuss bei zwei weiteren italienischen Waffentransporteuren sichergestellt. Sie waren die Auslöser der Ermittlung gewesen.

Zwölf Pistolen im Auto

Das neapolitanische Ehepaar war im vergangenen Jahr in der Nähe der italienisch-österreichischen Grenze in Ugovizza mit zwölf Pistolen im Auto erwischt worden. Im November 2018 waren die beiden zu Haftstrafen bis zu drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Hinzu kamen noch vier Gewehre und zwei Karabiner sowie weitere elf Pistolen und 600 Schuss Munition bei einem fünften in Italien Inhaftierten. Alle sichergestellten Waffen waren ohne Seriennummern.

Die Erhebungen hätten schließlich zur Festnahme der beiden Büchsenmacher in Österreich geführt. In Kärnten erfolgten die weiteren Beschlagnahmungen: 88 Schusswaffen mit entfernten Seriennummern und einer großen Menge Munition, sechs Kalaschnikows mit entsprechender Munition und eine "Skorpion"-Maschinenpistole mit der dazu gehörenden Munition. Die zwei festgenommenen Waffenhändler hätten Anfang 2011 mehr als 800 neue Pistolen, 50 Kalaschnikows und zehn Maschinengewehre an italienische Kriminelle verkauft - mit einem geschätzten Gesamtwert von 500.000 Euro, erklärte Eurojust.

Die Waffen hatten über illegale Wege die Ortschaft Terzigno bei Neapel erreicht und wurden dann in der ganzen Region verkauft. Als Drahtzieher des Waffenhandels gilt ein festgenommener 58-Jähriger aus Terzigno, der persönliche Kontakte zu den beiden Waffenhändlern aus Kärnten pflegte.

(APA)