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Schlaf: Wie wir ihn sehen und warum wir ihn brauchen

Dossier Die Zeitumstellung ist angezählt, der Sinn des Schlafs wird immer klarer, sein Ruf ist dennoch lang nicht so schlecht gewesen. Von Judith Hecht, Norbert Mayer, Thomas Kramar, Rosa Schmidt-Vierthaler und Katrin Nussmayr.

Wir verschlafen gut ein Drittel unseres Lebens. Dass wir schlafen müssen, ist unumstritten, und vielleicht ist es dieser Zwangscharakter, der den Ruf des Schlafs schädigte. Wir wollen uns nicht gern bedrängen lassen, und mittlerweile haben wir auch die Mittel - nämlich Licht und Koffein - um den Schlaf in seine Schranken zu weisen. Hier die Oberhand zu behalten, deuten viele als Macht: Früher prahlten die Feldherrn, mit wie wenig Schlaf sie auskommen, heute die Politiker. Wer wenig schläft, um viel zu arbeiten, genießt immer noch Anerkennung.

Dabei ist Schlaf nicht nur gesundheitlich gut und wichtig (Ratten sterben an Entzug von Schlaf rascher als an dem von Futter), sondern auch beglückend. Wir erleben ihn- obwohl dazu gezwungen – als temporäre Erlösung von allem Zwang und damit als Glück. Doch warum leidet dann sein Ruf, wie nicht nur die politische Diskussion um die Wiener Langschläfer ohne Job zeigte?

Schon für die alten Griechen waren Schlaf und Tod Zwillinge. Das Bewusstsein aufgeben zu müssen, der Welt abhandenzukommen, wenn auch nur für einige Stunden: Das hat auch etwas Unheimliches an sich. Die Selbstoptimierer wiederum sehen ihn als unproduktiv, Zeitverschwendung, Hemmschuh - wenn sie nicht gerade das „Power Nap“ feiern. Sie glauben, wenn sie den Schlaf kontrollieren, haben sie auch die Kontrolle über das Leben.