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Mit Klischee schneller zum Job

Wer eine Ausbildung macht, die nicht dem Klischee entspricht, sucht danach oft länger nach einem Job.
Wer eine Ausbildung macht, die nicht dem Klischee entspricht, sucht danach oft länger nach einem Job.(c) ANDREAS PESSENLEHNER / APA
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Untypische Ausbildungen haben mitunter Nachteile. Der Bildungsbericht ortet auch bei der Ganztagsschule Nachholbedarf. An schwierigen Schulen landen oft Junglehrer.

Wien. Es ist ernüchternd, was die Forscher da herausgefunden haben: Wer eine Ausbildung macht, die für sein Geschlecht untypisch ist, sucht danach oft länger einen Job. Konkret heißt das: Drei Monate nach ihrer Friseurlehre sind mehr Burschen auf der Suche als Mädchen, ähnlich Bürokaufmänner. Umgekehrt suchen junge Frauen etwa nach einer HTL oder einer Baugewerbeausbildung länger nach einem Job als Burschen.

Das ist eines der Ergebnisse des Nationalen Bildungsberichts 2018, der gestern, Mittwoch, vom Bildungforschungsinstitut Bifie und dem Bildungsressort vorgestellt wurde. Zum inzwischen vierten Mal fasst dieser Bericht auf knapp 900 Seiten Zahlen, Daten und Analysen zum heimischen Bildungssystem zusammen – und macht dabei auch auf manche Schwachpunkte aufmerksam.

Etwa eben auf die Tatsache, dass sich eine Berufswahl abseits der Klischees nicht immer rechnet. Im Bildungsministerium will man das trotzdem weiter fördern. „Da müssen wir auch ein Stück Normalität erzeugen“, sagt Generalsekretär Martin Netzer. Er will dafür auch mit der Wirtschaft reden.

Darum geht es auch beim Ertrag von Bildung: Prinzipiell gilt nämlich, dass sich eine bessere Ausbildung in höherem Gehalt niederschlägt. Allerdings sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern teils enorm. So verdient eine Frau mit einem Technikstudium im Alter von 40 Jahren etwa so viel wie Männer aus einer HTL oder einer HAK.

 

„Kein pädagogisches Wunderwerk“

Ein weiteres Problemfeld: Die Ganztagsschulen haben nicht den vielfach erhofften Effekt des Chancenausgleichs. „Sie haben den Anspruch als pädagogisches Wunderwerk nicht erfüllt“, sagt Forscher Ferdinand Eder. So werden die Ganztagsangebote in städtischen Volksschulen vor allem von bessergestellten Eltern angenommen. Auf dem Land ist die Durchmischung besser – Migrantenkinder sind dort sogar öfter nachmittags in der Schule. Insgesamt werden Schüler aber auf dem Land deutlich seltener ganztägig betreut.

Die Kosten für die Betreuung und das Mittagessen schrecken laut den Forschern sozial schwache Familien teilweise ab. Das sieht das Bildungsministerium als Sache der Länder. Allerdings sollen künftig die Ganztagsplätze ausgebaut werden. Zudem soll es keine Regelungen mehr geben, die sozial Schwächere benachteiligen – etwa, weil für einen Platz beide Eltern arbeiten müssen.

Apropos Benachteiligungen: Was der Bericht ebenfalls zeigt, ist, dass an schwierigen (Haupt-)Schulen mit vielen Migrantenkindern besonders viele unerfahrene Lehrer arbeiten. Gleichzeitig ist dort auch der Anteil an Lehrern, die nicht für ihr Fach ausgebildet worden sind, höher. An den AHS-Unterstufen ist das nicht so – im Gegenteil.

Dass an Brennpunkten eher junge Lehrer landen, kann laut der Studie daran liegen, dass es für die Schulen schwieriger ist, Lehrer zu gewinnen und zu halten. Pensionierungen und die Tatsache, dass neue Lehrer künftig sowohl für die AHS als auch für die Mittelschule ausgebildet sind und wählen können, könnten das noch verschärfen.

Auch innerhalb von Schulen kommt es teilweise zu Segregation: Wenn etwa bei der Klassenzusammenstellung auf Schwerpunkte, Schulversuche oder Elternwünsche Wert gelegt wird. Forscher Eder ortet da die Gefahr eines sogenannten Matthäus-Effekts: Wer hat, dem wird gegeben. Benachteiligte bleiben dagegen hinten. (beba)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2019)