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Faßmann will mehr Ganztagsplätze, aber keine Pflicht

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Der Minister verweist auf den Ausbau der Ganztagsplätze. Berufstätigkeit soll keine Bedingung sein - aus Wien kommt Widerstand.

Die Ganztagsschule schafft es nicht, jene Kinder zu erreichen, die die zusätzliche Betreuung besonders bräuchten – zumindest in den Städten. Das zeigt der aktuelle Bildungsbericht. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) will das mit dem ohnedies geplanten Ausbau der Ganztagsschule in den Griff bekommen. Das sagte der Minister am Donnerstag im Morgenjournal.

Geplant ist, dass in drei Jahren 40 Prozent der Pflichtschüler am Nachmittag betreut werden können – in der Schule oder im Hort. An bzw. in der Nähe von 85 Prozent der Schulstandorte soll es eine Möglichkeit der Nachmittagsbetreuung geben. Das ist das Ziel einer Novelle des Bildungsinvestitionsgesetzes, die vor zwei Wochen vorgestellt wurde.

Eine Verpflichtung zum Besuch einer ganztägigen Schule will Faßmann nicht. Der Minister bevorzugt, dass die Eltern Wahlfreiheit haben. auch besondere Anreize für den Besuch einer Ganztagsschule will er nicht. Seiner Meinung nach ist zentral, dass es ein breites, gutes Angebot gibt.

Berufstätigkeit nicht als Bedingung

Damit auch sozial Benachteiligte Plätze bekommen, pochte Faßmann dabei auch auf etwas, was sein Generalsekretär Martin Netzer bereits am Mittwoch gesagt hatte: Regelungen wie in Wien, wo Kinder bei der Vergabe von Ganztagsplätzen privilegiert werden, wenn beide Eltern berufstätig sind, solle man zurücknehmen.

Das stößt in Wien auf Widerstand. „Geht es nach den Aussagen von Minister Faßmann, sollen gerade in Wien viele Frauen aus der Berufstätigkeit gedrängt werden“, wettert Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Berufstätigkeit sei keine Voraussetzung für einen Ganztagsplatz – aber Eltern, die jobbedingt einen Bedarf haben, werden bevorzugt behandelt.

Dringlichkeit des Ausbaus

Für SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid belegen die Zahlen aus dem aktuellen Bildungsbericht die Dringlichkeit eines massiven Ausbaus der Ganztagsschulen. Die Nachfrage sei so hoch, dass vor allem Kinder mit zwei berufstätigen Eltern einen Platz bekämen. Für jene, die es besonders brauchen, also aus bildungsfernen Gruppen, fehlen dann die Plätze vielfach.

Neos-Bildungssprecher Douglas Hoyos hat wiederum einen anderen Vorschlag, um benachteiligten Kindern den Besuch einer Nachmittagsbetreuung zu ermöglichen: „Kostenlose, ganztägige schulische Angebote für Kinder an Brennpunktschulen wären ein wichtiger Schritt, um jedem Kind die besten Chancen zu garantieren“, sagt er in einer Reaktion auf den Bildungsbericht.

(red.)