Opel-Betriebsrat plant keine Proteste gegen Jobabbau in Wien-Aspern

PEROUTKA Guenther / WB

In der Getriebe- und Motoren-Fabrik von Opel in Wien-Aspern werden 350 bis 400 Stellen abgebaut. Dabei soll der Sozialplan aus dem Vorjahr soll angewendet werden. Die Stadt Wien will mit einer Arbeitsstiftung helfen.

Der Opel-Betriebsrat in Wien plant keine Proteste gegen den Stellenbau, bei dem heuer fast jeder dritte Arbeitsplatz von rund 1200 wegfallen soll, wie es im Ö1-Mittagsjournal am Donnerstag hieß. Man sei in Gesprächen und werde auf den Sozialplan aus dem Vorjahr zurückgreifen, sagte Betriebsrätin Renate Blauensteiner.

Vom Ausmaß der Stellenstreichung zeigte sich die Belegschaftsvertreterin überrascht. "Man hat gewusst, dass wir einfach zu viel Mitarbeiter an Bord haben, aber dass es so drastisch ist, wurde natürlich nicht vermutet", so Blauensteiner.

Das Werk in Wien sei durch den Stellenabbau nicht gefährdet, sagte Unternehmenssprecher Christoph Stummvoll: "Die neue Produktion, das ist ein 6-Gang-Schaltgetriebe, das für alle Fahrzeuge des Group PSA-Konzerns produziert werden wird. Hier wird die Produktion im Sommer starten und dann sukzessive auf einen 3-Schicht-Betrieb hochgefahren werden."

 

Wien will mit Arbeitsstiftung helfen

Die Stadt Wien will mit einer Arbeitsstiftung jenen Mitarbeitern helfen, die vom angekündigten Stellenabbau im Opel-Werk betroffen sind. "Wir sind für die Leute da und versuchen, den Standort abzusichern", unterstrich am Dienstag auf APA-Anfrage ein Sprecher von Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ). Unterdessen häuft sich die Kritik am Opel-Eigentümer PSA.

Die Arbeitsstiftung der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF) gebe es bereits seit längerem. Erst im Vorjahr baute das Unternehmen 140 Mitarbeiter ab. Nun soll damit den "betroffenen Menschen unter die Arme gegriffen werden", hieß es aus dem Hanke-Büro. Ab dem Tag, wo die gekündigten Opel-Mitarbeiter in die Stiftung aufgenommen werden, bekommen sie Arbeitslosengeld und Unterstützung bei Umschulungsmaßnahmen.

Die Gewerkschaft übt scharfe Kritik an der Wiener Stadtregierung. Diese hätte das schon seit längerem in Schwierigkeiten steckende Opel-Werk zwar mit einer Millionenförderung unterstützt. Aber als Bedingung für die Förderung seien lediglich der Fortbestand des Werkes und weiterer Investitionen festgelegt worden, nicht jedoch die Zahl der Arbeitsplätze, die erhalten bleiben müssen, lautete der Vorwurf.

Das will die Stadt so nicht stehen lassen. Die Förderung sei einstimmig im Wiener Gemeinderat beschlossen worden, sagte Hankes Sprecher. Konkret soll damit der Innovationsprozess zur Entwicklung eines Sechs-Gang-Getriebes unterstützt werden. Die Subvention sei sehr wohl mit Sanktionsmechanismen versehen, falls es zur Einstellung des Projekts und zu Kündigungen kommen sollte, wurde weiters klar gestellt.

 

Gewerkschaft will klagen

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp kritisierten via Aussendung auch scharf das Verhalten des Opel-Eigentümers PSA. 2015 sei zwischen der Belegschaft und der Geschäftsführung nämlich ein Standortsicherungspaket vereinbart worden. Ziel des Vertrages sei gewesen, das Werk langfristig abzusichern und eine "zukunftsorientierte, wettbewerbsfähige und nachhaltige Produktion" sicherzustellen, hieß es.

"Die Beschäftigten haben ihren Teil der Vereinbarung eingehalten und auf zwei Prozent ihres Lohnes verzichtet. Der PSA-Konzern hat aber nichts unternommen, um ein ausreichendes Produktionsvolumen für den Standort Aspern sicherzustellen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat haben wir bereits seit mehr als einem Jahr darauf hingewiesen, dass es Nachfolgeprodukte für das Werk in Wien braucht", ärgerten sich Toni Steinmetz, Landessekretär der PRO-GE Wien und Mario Ferrari, Geschäftsführer der GPA-djp Wien. Die Gewerkschaft werde nun Klage gegen die vereinbarte Lohnabschmelzung einbringen, wurde in der Aussendung angekündigt. Überdies wird ein "ordentlicher" Sozialplan mit Arbeitsstiftung für die Betroffenen gefordert.

Scharfe Kritik an Opel-Eigentümer PSA kam auch von Wiens Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl. "Das ist nicht der respektvolle Umgang mit den Beschäftigten, den wir uns von einem verantwortungsbewussten Unternehmen erwarten." Die Beschäftigten seien "immer loyal" zu Opel gestanden und hätten - wenn nötig - ihren Beitrag geleistet, unterstrich sie in einer Aussendung. Das müsse bei den Sozialplan-Verhandlungen berücksichtigt werden.

Vorwürfe gibt es auch gegen die Bundesregierung. Neben den Gewerkschaften attestiert auch SPÖ-Industriesprecher Rainer Wimmer Türkis-Blau Untätigkeit. "Die Belegschaft wird hier völlig im Regen stehen gelassen. Wo sind die Sozialministerin und die Wirtschaftsministerin?", fragte er in einer Aussendung.

 

Es begann mit Kreisky

Das Opel-Werk in Wien hat seine besten Zeiten hinter sich. 1995, am Höhepunkt der Produktion, arbeiteten in den Fabrikshallen in Wien-Aspern im Osten der Stadt an die 3000 Leute. Mit dem Bau war 1980 begonnen worden, bei der offiziellen Eröffnung am 15. Oktober 1982 standen bereits 1600 Mitarbeiter an den Fließbändern. 1983 stieg die Jahresproduktion auf 230.000 Motoren und 250.000 Getriebe.

Die Geschichte des Opelwerks in Wien begann am 23. August 1979, als der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) und GM Austria-Generaldirektor Helmuth Schimpf einen Vertrag für die Errichtung eines Motorenwerkes unterzeichneten. Laut der Firmenchronik von Opel Wien waren damals Investitionen von 9,8 Milliarden Schilling vorgesehen - umgerechnet wären das heute 710 Millionen Euro.

"Das waren Zeiten", schrieb die Mitarbeiterzeitung "Opel Post" 2017 zum 35-Jahr-Jubiläum. Demnach hatte sich Kreisky eine Automobilfabrik gewünscht. Die ursprüngliche Aufgabe des Werks Wien-Aspern war, Motoren und Getriebe für den - damals neuen - Opel Corsa zu liefern. Als Corsa-Werk wurde das Werk in Saragossa in Spanien im gleichen Jahr wie Aspern - 1982 - eröffnet.

1988 zählte das Werk in Wien 2700 Mitarbeiter, die Jahresproduktion stieg auf 380.000 Motoren und 510.000 Getriebe. Im selben Jahr eröffnete nebenan das GM-Schwesterwerk Rochester, das später als Delphi Automotive Systems in einer weltweiten Umstrukturierung ausgegliedert wird. 1992 wurden die Opel-Produktionshallen erneut erweitert. Viele Jahre lang fuhr jedes zweite Auto von General Motors in Europa mit einem Getriebe aus Wien-Aspern.

Im Laufe der Zeit hatte das Wiener Werk mehrere Namen: 1994 wurde die General Motors Austria Ges.m.b.H. in Opel Austria GmbH umbenannt, 2001 wurde im Zuge einer Allianz mit Fiat daraus die Opel Austria Powertrain GmbH als Teil von Fiat-GM Powertrain. 2005 wurde das Joint-Venture aufgelöst, Wien-Aspern ging an GM zurück und wurde in General Motors Powertrain - Austria GmbH umbenannt. 2017 wurden die GM-Marken Opel und Vauxhall an die französische PSA-Gruppe, Mutterkonzern von Peugeot und Citroen, verkauft.

 

PSA fährt scharfen Sparkurs

Bei Opel Wien hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Sparprogramme mit Stellenabbau und Kurzarbeit gegeben. 2018 wurden rund 100 weitere Mitarbeiter abgebaut. Laut Angaben des Betriebsrats von Mitte Februar waren zuletzt noch 1150 Arbeiter und rund 200 Angestellte beschäftigt. Mit dem erneuten Stellenabbau von 350 bis 400 Mitarbeitern wird der Personalstand wohl erstmals seit der Eröffnung vor mehr als 35 Jahren unter die Marke von 1000 Mitarbeitern fallen. Der neue Eigentümer PSA fährt seit der Übernahme bei allen Opel-Standorten einen scharfen Sparkurs.