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Pop

Rammstein provoziert mit KZ-Anspielungen in neuem Video

(c) Screenshot von Youtube
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Mit einem 36-sekündigen Video sorgte die Ankündigung der neuen Single von Rammstein für Aufregung. Am Donnerstagabend veröffentlichte die deutsche Band das vollständige Video.

Ein Video der Band Rammstein mit Anspielungen auf deutsche Konzentrationslager hat scharfe Kritik ausgelöst. Auf dem Trailer zu ihrer neuen Single sind vier Band-Mitglieder zu sehen, deren Kleidung an die von KZ-Gefangenen erinnert. Sie stehen dabei am Galgen. Auf dem Revers eines Musikers ist ein gelber Stern zu sehen, ähnlich dem, den Juden unter dem NS-Regime tragen mussten.

Am Ende des 36 Sekunden langen Videos, das Rammstein auch auf ihrer Webseite veröffentlichte, ist das Wort "Deutschland" in frakturähnlicher Schrift zu sehen, in lateinischen Buchstaben steht darunter das Datum 28.3.2019. Das vollständige, ungefähr neun Minuten dauernde Video war dann wie angekündigt um 18 Uhr online. Es beginnnt mit dem Schriftzug "Germania Magna, 16 A.D.", mit dieser Jahreszahl ist wohl die Schlacht von Idistaviso gemeint, bei der die römischen Truppen schwere Verluste gegen die Germanen erlitten. Im Folgenden sieht man die Band sowohl in "germanischer" Maskerade mit Waffen als auch in Astronautenanzügen mit Laserschwertern, später spielt eine dunkelhäutige Frau in Kettenhemd eine Rolle, als Kämpferin, aber auch als menschliche Unterlage für ein Buffet, von dem die Musiker essen.

Der Text ist, wie von Rammstein gewohnt, ambivalent: "Deutschland, du hast viel geweint, im Geist getrennt, im Herz vereint", heißt es etwa, oder "Deutschland, dein Atem kalt, dein Herz in Flammen". Einmal reiht der Sänger mit kräftig rollendem "R" Wörter mit "über" aneinander, überheblich, überlegen, überdrüssig etc., aber auch Übermenschen. Eine Art Refrain lautet: "Deutschland, Deutschland über allen". Das frivole Spiel gipfelt in der Szene am Galgen, bei der die Henker sichtbar Hakenkreuzarmbinden tragen. In anderen Szenen sieht man das DDR-Emblem und eine Bücherverbrennung. Abstoßend spekulativ.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte, es gebe zahlreiche Künstler, die sich in ihren Kunstwerken auf eine würdevolle Art mit der Schoa auseinandersetzen. "Wer den Holocaust jedoch zu Marketingzwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch", erklärte Schuster.

Direktor lädt Rammstein in KZ-Gedenkstätte

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU), hat Rammstein in die KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen. Ein abschließendes Urteil wollte Freller am Donnerstag zwar noch nicht fällen, weil noch unklar sei, welchen Hintergrund das Video habe.

Eindeutig ist für Freller aber: "Das Leid und die Unmenschlichkeit des Holocaust verbieten sich für Werbezwecke oder Effekthascherei zur Bekanntmachung von Produkten ganz gleich welcher Art - in diesem Fall wohl ein neues Musikalbum."

"Wir hassen Nazis"

Die Berliner Band hat mit brachialem Rock und martialischen Klängen immer wieder mit Nazi-Ästhetik gespielt. Für das Video zum Song "Stripped" waren Ausschnitte aus Leni Riefenstahls NS-Propagandafilm über die Olympischen Sommerspiele von 1936 zu sehen. Frontman Till Lindemann wies damals Nazi-Vorwürfe zurück. "Wir kommen aus dem Osten und sind als Sozialisten aufgewachsen. Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis – wir hassen Nazis!", sagte er dem Magazin "Rolling Stone".

(red.)