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Bildungsforschung wird ins Ministerium eingegliedert

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das Bifie-Institut wird eine untergeordnete Dienststelle. Faßmann sieht Vorteile. Die SPÖ ortet ein "schwarz-blaues Gängelband".

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) erhält ab 1. Juli 2020 einen neuen Namen und wird von einer eigenständigen Einrichtung zu einer nachgeordneten Dienststelle des Bildungsministeriums. Das sieht ein Gesetzesentwurf vor, mit dem ein "Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Bildungswesen" (IQS) geschaffen wird.

Das 2008 als juristische Person des öffentlichen Rechts eingerichtete Bifie führt unter anderem internationale Studien wie PISA sowie nationale Erhebungen wie die Bildungsstandards durch und erstellt die nationalen Bildungsberichte. Früher war es auch für die Erstellung und Organisation der Zentralmatura zuständig - diese Agenden wurden bereits 2017 ins Bildungsministerium überführt.

Wie das Bifie wird auch das IQS in Salzburg beheimatet sein. Es soll laut den Erläuterungen zum Gesetz als "Datenerhebungs- und Dienstleistungseinrichtung fungieren, welche der Dienst- und Fachaufsicht des Ressorts unterstellt ist". Die Struktur soll gegenüber jener des Bifie schlanker sein, die Aufgabenplanung "im Rahmen der Budgetfestlegung des Ressorts erfolgen".

"Weniger Ideologie und mehr Fakten"

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) betonte, dass die Erhebungen des neuen Instituts wie bisher nach wissenschaftlich unabhängigen Kriterien erfolgen würden. "Die Ergebnisse werden weder geschönt noch verzerrt, die Wahrheit muss immer erträglich sein", sagte er bei der Präsentation des Entwurfs am Donnerstag. Das IQS werde objektiv, unparteiisch und transparent arbeiten.

"Weniger Ideologie und mehr Fakten sind eine Notwendigkeit." Die wissenschaftliche Unabhängigkeit werde im Gesetz festgeschrieben und zudem - wie schon bisher - von einem wissenschaftlichen Beirat überwacht. Bestellt wird dieser Beirat vom Minister selbst, wie er auf Nachfrage sagte.

Als großen Vorteil der Eingliederung ins Ministerium nannte Faßmann, dass Erhebung und Nutzung der Daten damit systemimmanent werden. Dadurch seien die Testdaten für die Schulen und Lehrer schneller verfügbar. Bisher sei der Datenschutz eine große Hürde bei der Datenweitergabe gewesen, was bei der Verwendung innerhalb des Bildungssystems wegfalle. "Ich bin kein notorischer Zentralisierer", betonte der Minister, der als Beispiel die beabsichtigte Ausgliederung der ZAMG nannte.

"Lehrer erfahren mehr als heute"

Auch Bifie-Direktorin Angela Weilguny legte Wert auf die Feststellung, dass sich an der inhaltlichen Arbeit ihrer Einrichtung nicht viel ändern werde. Allerdings seien zurzeit neue Testformate in der Entwicklung, die auch den Zugriff auf Mikrodaten erleichtern. Damit solle es möglich werden, die Ergebnisse der Tests auf einzelne Schulklassen und sogar Schüler herunterzubrechen. "Die Lehrer erfahren sehr viel mehr als heute; etwa, wo einzelne Schüler zusätzlichen Förderbedarf haben, aber genau so, wenn Schüler hochbegabt sind und in diese Richtung gefördert werden sollten." Weilguny erhofft sich so auch, dass die Tests in den Schulen als gewinnbringend betrachtet würden, und nicht als störend.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) äußerte sich erfreut, dass der Standort des Instituts "mit 140 hochwertigen Arbeitsplätzen" in Salzburg erhalten bleibe. "Das ist ein Beispiel, dass Bundeseinrichtungen auch in den Bundesländern angesiedelt werden können und daher ein wichtiges politisches Signal."

SPÖ kritisiert "Gängelband"

Unverständnis herrscht bei SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid angesichts des Umbaus. Das IQS werde "auf Regierungslinie getrimmt und evidenzbasierte Bildungspolitik ans schwarz-blaue Gängelband gehängt", hieß es in einer Aussendung. "Scheinbar macht die Message Control auch vor dem Bildungswesen nicht halt. Diese Pläne kennen wir schon von der Statistik Austria", so Hammerschmid.

Auch die Neos sind verärgert. "Die Umwandlung des Bifie in das IQS ist eine rein strukturelle Maßnahme, die offensichtlich nur dazu dient, die Qualitätssicherung in den Einflussbereich des Ministeriums zu holen", sagt Bildungssprecher Douglas Hoyos. "Das ist genau der falsche Weg." Was es brauche sei eine externe, unabhängige und kritische Einrichtung.

(APA)