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Nie wieder Hexenschuss

John Bernhardt

Exoskelette helfen Schwerarbeitern, langfristig ihre Gesundheit zu erhalten.

Bei Arbeitsrobotern denkt man an stählerne Gesellen, die schwere Arbeiten verrichten, für die der Mensch zu schwach ist. Ein anderer Denkansatz sind Exoskelette, die Menschen Maschinenkräfte verleihen. Nicht zu verwechseln mit Cyborgs, weil solche Exoskelette nur temporär umgeschnallt werden. Bei Cyborgs sind sie dauerhaft verschmolzen.

Exoskelette können vielen Berufsgruppen helfen. Logistikarbeiter etwa heben täglich Hunderte Pakete, immer dieselbe Bewegung, immer dieselbe punktuelle Belastung der Wirbelsäule – bis hin zum Hexenschuss. Zwei Tonnen pro Tag umzuschichten ist gesetzlich erlaubt, weiß Johann Bernhardt, der als CEO des Start-ups Exomys an praktischen Berufsanwendungen arbeitet.

Schnallt sich ein Logistikarbeiter hingegen ein Exoskelett um, verteilt sich die Belastung beim Heben ergonomisch auf Schultern, Bauch und Rücken. Die Wirbelsäule ist entlastet, Verschleiß hintangehalten. Dasselbe gilt für Produktions- und Lagerarbeiter je nach Bewegungsprofil.

Oder für Bauarbeiter, die über Kopf Löcher in die Decke bohren: Nach wenigen Minuten erlahmen die Arme. Aus diesem Grund werden solche Arbeiten derzeit immer im Team eingeteilt. Ein Einzelner hält nicht lang durch – robotergestützt schon.

Niedersetzen ohne Sitz

Monteure in der Automobilproduktion haben ein spezielles Problem. Bei der Arbeit zu sitzen ist praktisch nicht möglich. Grund sind Platznot, die Notwendigkeit, sich rund um das Auto zu bewegen, und natürlich das Thema Fluchtwege. Hier ermöglicht ein Exoskelett, das unter der Kleidung getragen wird und Rücken, Gesäß und Oberschenkel stützt, ein Niedersetzen ohne Sitz, ohne Platzbedarf und ohne Bewegungseinschränkung (Foto unter diepresse.com/karriere).

Das ist eine wichtige Prämisse bei der körpernahen Zusammenarbeit Mensch/Maschine: keine klobigen Anhängsel, sondern eine de facto unsichtbare Hilfe. Denn aussehen will man so wie immer.


[PBNK8]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2019)