Mode

Die Gucci-Gang rappt auch schon in der großen Pause

„Mein erstes Gucci-Teil war die Tasche. Die habe ich mir erarbeitet.“ Student und Modefan Pascal Christopher Marcy in einem Hinterhof in Wien-Landstraße.
„Mein erstes Gucci-Teil war die Tasche. Die habe ich mir erarbeitet.“ Student und Modefan Pascal Christopher Marcy in einem Hinterhof in Wien-Landstraße.Valerie Voithofer

Die junge Modeszene zitiert aus dem Ghetto und nun finden selbst Teenager alteingesessene Luxuslabels begehrenswert. Auch in Wien. Wie ein US-Rapper die Gucci-Gang erfand und warum der Hiphop die Modewelt so umfassend prägt, ist Teil der Erfolgsgeschichte des italienischen Labels Gucci.

„Irgendetwas von Gucci“ ist als sehnlichster Geburtstagswunsch eines Zwölfjährigen doch etwas überraschend. Bisher hat er sein Leben in Fußballtrikots verbracht. Die ersten sonnigen Frühlingstage bringen viel ans Licht. Was in den kalten Monaten nur verdeckt wucherte, ist nun, wo Menschen in Parks, Einkaufsstraßen, Schanigärten mehr von sich zeigen, unübersehbar: Gucci ist auf den Wiener Straßen angekommen und zwar auch auf jenen, die es billiger geben. Gucci ist aber auch in den Schulen angekommen, wo seit den fernen Tagen des Abercrombie-Hypes schon lange nicht mehr eine einzelne Marke so kollektives Begehren ausgelöst hat.

In Wien reicht schon ein Spaziergang über die Einkaufsstraßen, um die Bandbreite der Gucci-Fans zu bemerken. Hier die Gucci-Taschen, T-Shirts, sogar Haarspangen mit dem Namen des Labels werden mit Stolz getragen. Wie es Leonie Brzobohaty tut, die für die „Presse am Sonntag“ mit ihrer Spange posiert hat. Dort die „Gang“ – Tattoos, Kappe und grimmiger Blick. Das italienische Modehaus hat mit der Durchmischung seiner Kundschaft einen Spagat zwischen Szenen geschafft, die in der Realität keine Berührungspunkte haben: Hier die etablierte Fashionwelt, dort die junge Modeszene, daneben die Hiphop-Szene und Jugendliche, die das Spannungsfeld und dessen Inszenierung auch instinktiv spüren. Mastermind hinter der Erfolgsgeschichte – Gucci gehört zu den am schnellsten wachsenden Luxuslabels – ist Kreativdirektor Alessandro Michele, der die Marke 2015 aus dem Wachkoma küsste. Micheles Kollektionen wurden außerordentlich gut aufgenommen, die starke Nachfrage wirkte sich in Folge vor allem auf stärker „gebrandete“ Kollektionsteile und Accessoires aus, die vom klassischen Gucci-Logo überzogen sind.

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