Was für weiter steigende Börsenkurse spricht

LNG-Hafen im texanischen Sabine Pass.
LNG-Hafen im texanischen Sabine Pass.Bloomberg

Was für weiter steigende Börsenkurse spricht und welcher US-Konzern vom Ende des Handelsstreits besonders profitieren dürfte.

Lust sieht anders aus. Und so erinnert das Börsengeschehen derzeit an den berühmten Spruch des deutschen Komikers Karl Valentin: „Mögen hätt' ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

Man kann den Anlegern ihre Zurückhaltung freilich nicht verübeln, wenn sie ständig von diversen Seiten einen Dämpfer bekommen und mit vielfältigen Bedrohungsmomenten konfrontiert sind. Die Woche war gekennzeichnet von der Ungewissheit darüber, wie sich denn das britische Parlament am Freitag beim dritten Anlauf zur Abstimmung über die ausgehandelte Scheidungsvereinbarung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union verhalten würden. Das Thema enerviert halt auch die Anleger.

Ein anderes Thema enerviert zwar nicht, dafür machte es diese Woche richtig Angst – und zwar die inverse Zinskurve auf dem US-Anleihemarkt. Dort warfen dreimonatige Bonds zum ersten Mal seit 2007 wieder mehr ab als zehnjährige. Was Fachleute als inverse Zinsstruktur bezeichnen, gilt traditionell als Vorbote einer Rezession. Auch das Sinken der deutschen Anleihenrenditen in den negativen Bereich macht diesbezüglich hellhörig.

Die Rezession muss natürlich nicht zwingend und vor allem nicht sehr bald eintreten. Aber die Verlangsamung des Wirtschaftsaufschwungs ist im Bewusstsein der Anleger definitiv angekommen, zumal zuletzt die Prognosen von diversen Instituten nach unten korrigiert wurden. Selbst die Tatsache, dass die US–Notenbank Fed neulich eine längere Pause bei den Zinserhöhungen beschlossen hat, wird nach einer anfänglichen Börseneuphorie nun negativ, nämlich als Beleg für die Konjunktureintrübung gedeutet.

Und dennoch: Vorsicht bei den Anlegern heißt nicht, dass sie nicht doch weiter auf dem Aktienmarkt zugreifen und damit die gute Entwicklung seit Jahresbeginn fortsetzen. Was eindeutig für riskantere Anlagen spricht, ist gerade der Umstand, dass die Notenbanken sich wieder zu einer weichen Geldpolitik bekannt haben. Noch ist die Zahl jener Marktteilnehmer, die sogar ein Absenken des US–Leitzinses bei der nächsten Fed-Sitzung am 1. Mai erwarten, gering. Aber ihr Prozentsatz stieg binnen einer Woche von zwei auf acht, wie die Fed Fund Futures, also die Terminkontrakte, zeigen.

Was dem Kapitalmarkt noch zugute kommt? Die Unternehmensgewinne – und natürlich eine Einigung im US-chinesischen Handelsstreit, sofern diese erzielt wird, wonach es am Freitag wieder stärker aussah. Alles in allem bleiben daher auch die Ökonomen der Raiffeisen Bank International vorerst für die Kapitalmarktaussichten im zweiten Quartal und sogar im Gesamtjahr optimistisch.

Eine Einigung im Handelsstreit würde vieles entfesseln – auch den Rohstoffsektor. Für das Segment des relativ jungen, aber aussichtsreichen Exports von US-Flüssiggas (LNG) könnte sie sogar neue Lieferverträge bringen. Meinen zumindest die Analysten von Goldman Sachs, die daher den US-Gaskonzern Cheniere Energy (ISIN: US16411R2085) auf ihre Conviction-Buy-List gesetzt haben. Die Aktie wurde an dieser Stelle schon öfters besprochen und kann auf eine jahrelange, schöne Aufwärtsentwicklung zurückblicken. Gemäß dem Trend hin zu mehr LNG wird der Gasexport aus den USA in jedem Fall wachsen. Cheniere hat die Nase vorn. Goldman hat das Kursziel für die Aktie, die 67 Dollar kostet, von 84 auf 87 Dollar angehoben.

Goldman hat auf der Liste der besonders überzeugenden Anlageideen auch den deutschen Versorger RWE (ISIN: DE0007037129). Das Kursziel für die 23,9 Euro teure Aktie wurde von 27 auf 29,5 Euro erhöht. Bernstein zog am Dienstag nach und hob das Ziel auf 27,5 Euro. Wie der – bei der Dividendenrendite noch attraktivere RWE-Konkurrent E.on (ISIN: DE000ENAG999) gilt RWE für konjunkturschwächere Zeiten als defensive Absicherung.

Allemal einen Blick wert ist der österreichische Fasernhersteller Lenzing (ISIN: AT0000644505). Kepler Cheuvreux erhöhte für die Aktie die Empfehlung von Neutral auf Kaufen – und das Kursziel von 85 auf 110 Euro. Das Papier sprang umgehend an und kostet nun 96 Euro.

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