Extremklang in totaler Finsternis

Die Inszenierung von Immo Karaman kommt ohne Voyeurismus und verletzte Intimsphäre aus.
Die Inszenierung von Immo Karaman kommt ohne Voyeurismus und verletzte Intimsphäre aus.(C) Arnold Poeschl
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Die Neufassung von Georg Friedrich Haas' Oper „Koma“ nach Händl Klaus schildert ein Wachkoma-Martyrium: eine eindrucksvolle Beinah-Uraufführung.

Dunkel ist das Leben, ist der Tod“, heißt es in Gustav Mahlers „Lied von der Erde“. Stockdunkel wird es nun öfter im Klagenfurter Stadttheater während der Aufführung der Oper „Koma“ von Georg Friedrich Haas nach einem Text von Händl Klaus. Die totale Finsternis im Theater, vor Jahrzehnten für Thomas Bernhard bei den Salzburger Festspielen unrealisierbar und zum Skandal hochstilisiert, ist heute problemlos durchsetzbar – zur Verdeutlichung psychischer Extremsituationen auf der Bühne wie als Interpretations- und Verständnishilfe für das Publikum.

Das Wachkoma scheint als medizinischer Begriff kaum tauglich für einen Opernstoff. Doch Georg Friedrich Haas, 66-jähriger Protagonist der heimischen Avantgarde mit internationaler Reputation, schuf ein Theater der Emotionen, das bewegt. In Überschneidungen von Inhalten und Ebenen werden Zustände der Wachkomapatientin Michaela auf die Bühne gebracht. Die Versuche der Familie, sie aus dem Koma zu locken, dann die nüchterne Realität des Spitalszimmers, schließlich die absolute Finsternis: Michaela hat keine Worte mehr, nur Vokalisen, undefiniert Instrumentales, verteilt im dunklen Raum. Wahrnehmbar als Unzahl von Fragezeichen, als Orientierungslosigkeit im Universum.

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