Umsturz in der Erste-Bank-Liga: Pay-TV-Sender Sky wurde ausgebootet. Künftig werden 21 Spiele auf dem Red-Bull-Sender Servus TV übertragen. Der Deal spaltet die Liga.
WIEN. Mitte April holten sich die Salzburger den Eishockey-Meistertitel. Das Red-Bull-Werksteam ist in der Liga das Maß aller Dinge. Nun holte das Dosenimperium zum nächsten Paukenschlag aus. Dietrich Mateschitz sicherte seinem Servus TV die Übertragungsrechte für die Liga. Damit wurde nicht nur Pay-TV-Sender Sky überrumpelt. Auch ein Teil der Vereine stand am Ende mit ziemlich bleichen Gesichtern da. Der Deal wurde von zwei Dritteln der Vereinspräsidenten gutgeheißen. Nur im Eishockey-Kernland Kärnten hält sich die Euphorie in Grenzen.
Denn der neue TV-Vertrag scheint nur der Beginn einer größeren Umwälzung im heimischen Eishockey zu sein. Gaben bisher die Kärntner Traditionsklubs die Richtung vor, so scheint der Wind nun aus Salzburg und Wien zu wehen. Denn hinter den Kulissen dürften sich die beiden großen Mäzene Mateschitz und Capitals-Präsident Hans Schmid gefunden haben.
Nun haben sie die erste Schlacht gewonnen. Servus TV wird ab September 21 Spiele der Eishockey-Liga im Free-TV ausstrahlen. Unter dem Titel „Sunday Hockey Night“ werden in den kommenden drei Jahren Ligaspiele präsentiert. Für die Play-offs wird an eine Konferenzschaltung gedacht, dazu soll mit einem wöchentlichen Magazin der Pucksport in Österreich einer breiteren Zuschauermenge als bisher angeboten werden.
Puck kommt ins Kabel-TV
Hinter dem Begriff „breitere Zuschauermenge“ dürfte sich nämlich ein weiterer spektakulärer Deal abzeichnen. Dem Vernehmen nach verhandelt der Mateschitz-Sender mit UPC. Künftig könnte also Servus TV im Kabelfernsehen empfangen werden. Das würde die Reichweite explosionsartig erhöhen.
Servus-TV ist Partner der Sportrechte- und Sportmarketing-Agentur „The Sportsman Media Group“ von Laola-Geschäftsführer Karl Wieseneder, die sich bis 2013 die TV-Rechte der Liga gesichert hat. Das Offert von Pay-TV-Sender Sky, der seit 1999 Ligaspiele exklusiv und in der abgelaufenen Saison 66 Partien übertragen hat, wurde überraschend zurückgewiesen. Ob Sky weiterhin die Erste-Bank-Liga zeigen wird, ist offen.
Der Deckmantel der Exklusivität ist, wie im Fußball, somit abhandengekommen. Dementsprechend kühl reagierte der Sender auf Anfrage der „Presse“. Per E-Mail teilte Dieter Jaros, Programmchef von Sky Österreich, mit: „Wir haben ein umfassendes Pay- und Free-TV-Angebot (in Kooperation mit Puls 4, Anm.) abgegeben, das sehr zukunftsorientiert war und das Produkt Eishockey und die Liga weiterentwickelt hätte. Die Liga hat sich für das Alternativangebot der Sportsman Group entschieden. Über Details dieses Konzeptes haben wir keine Informationen.“
Auch der ORF steht vorerst im Abseits. Der öffentlich-rechtliche Sender wollte dieselben Rechte wie bisher, also die aktuelle Berichterstattung in den Landesstudios, bekam sie aber nicht.
Graz-Präsident Jochen Pildner-Steinburg, er steht auch der Industriellenvereinigung Steiermark vor, ist vom neuen Produkt jedenfalls überzeugt. „Es ist ein revolutionäres Konzept, mit mehr Kameras und einem Magazin. Auch ist das Gesamtergebnis für uns Vereine besser, vor allem aus monetärer Sicht.“ Auch aus Salzburg waren ähnliche Töne zu vernehmen. Es gehe nicht um persönliche Eitelkeiten und Rechte eines einzigen Senders oder Vermarkters, sagte ein Klubmitglied, das nicht genannt werden wollte, sondern um das Wohl aller. „Und, es ist doch klar: je mehr Spiele im Free-TV, desto besser.“
Für die Vereine bringt dieser Deal mehr Geld. Geht es nach VSV-Obmann Giuseppe Mion, soll es mehr als das Doppelte der bisherigen Zahlungen sein. Kolportiert wird die Summe von einer Million Euro pro Ligaklub.
Wie viele Vereine in der kommenden Saison mitspielen werden, ist noch nicht entschieden. Bozen will in die Ebel einsteigen.
AUF EINEN BLICK
■Ein neuer TV-Vertrag sorgt im Eishockey für Aufsehen. Ab der Saison 2010/11 wird Red-Bull-Sender Servus TV 21 Spiele der Erste-Bank-Liga im Free-TV live übertragen.
■Servus TV ist Partner der „The Sportsman Media Group“, die sich die TV-Rechte für die kommenden drei Saisonen gesichert hat.
■Ob Pay-TV-Sender Sky ein neues Angebot abgeben wird, ist offen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2010)