Klassik-Kritik

Was aus dem Muttermörder Orest wurde

Ein dominierender Orest, eine kapriziöse Helena: Thomas Johannes Mayer als Orest und Laura Aikin als Helena in der Wiener Staatsoper.Michael Pöhn

An der Staatsoper ist eine Art Fortsetzung von Strauss' „Elektra“ zu erleben, "Orest" vom deutschen Komponisten Manfred Trojahn: In DJ- und Tussi-Kostümen leisten die Sänger ganze Arbeit.

Du sollst die Götter nicht versuchen, denn dann lassen sie dich im Stich oder zahlen es dir haushoch heim. Der Trojanische Krieg und seine Folgen zerstörten Familien, Dynastien und Individuen unzählbarer Generationen – seit der Antike ist das ein willkommenes Fressen für Theatermenschen, Dichter wie Komponisten. Manfred Trojahn setzte den Muttermörder Orest der Journalistenfrage aus „Was wurde eigentlich aus . . .?“. Wie torkelt der Rächer Agamemnons nun durch die Welt? Ist er geheilt, verdammt? Fällt ihm gar Besseres ein als die verrostete patriarchalische Ordnung?