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Busfirma weist Rassismus-Vorwurf um Schulbusfahrt in Wels zurück

Screenshot auf einem der Videos, die auf Facebook kursieren
Screenshot auf einem der Videos, die auf Facebook kursierenScreenshot Facebook
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Weil ein Busfahrer in Wels einen dunkelhäutigen Schüler nicht mitnehmen wollte, zog dessen Bruder den Zündschlüssel des Busses. Die Busfirma weist den Rassismus-Vorwurf, den die Mutter der Brüder erhebt, zurück.

Nach dem Streit um eine Schulbusfahrt in Wels in Oberösterreich mit der Folge, dass rund 70 Kinder in dem Fahrzeug eingesperrt waren, ermittelt die Polizei wegen Freiheitsentziehung. Der ältere Bruder eines dunkelhäutigen Schülers hatte dem Lenker den Startschlüssel weggenommen und damit die Türen blockiert. 

Der Fahrer des Autobusses sagte gegenüber der Polizei aus, er habe am vergangenen Freitag um 7.30 Uhr die Kinder einsteigen lassen, um sie zur Schule zu bringen. Sie seien ihm teilweise bekannt. Unter ihnen habe sich auch ein 14-Jähriger befunden, der in den Tagen zuvor unangenehm aufgefallen sei, zudem habe er seinen Fahrausweis nicht vorweisen können. Deshalb habe er ihm an diesem Tag die Mitnahme verweigert. Als der 22-jährige Bruder in den Bus gestiegen sei, habe er dies auch ihm gesagt.

Schlüssel aus Zündschloss gezogen 

Bei der Ausfahrt aus der Haltestelle habe der ältere Bruder plötzlich in das Lenkrad gegriffen, den Startschlüssel aus dem Zündschloss gezogen und ihn zur vorderen Einstiegstür geworfen. Dann habe er sich zwischen den Buslenker und die Tür gestellt, um zu verhindern, dass der Fahrer an den Schlüssel gelangt. Deshalb habe er die Polizei gerufen.

Weil sich die Türen nur bei eingeschalteter Zündung öffnen lassen, mussten rund 70 Schulkinder im Bus auf das Eintreffen der Polizei warten. Als der 22-Jährige die Beamten bemerkte, hob er den Schlüssel auf und gab ihn dem Lenker. Um 7.45 Uhr konnten die Jugendlichen den Bus verlassen. Die Polizei nahm den Sachverhalt und die Daten der Beteiligten auf. Laut Landespolizeidirektion wird wegen Freiheitsentziehung gegen den 22-Jährigen ermittelt. Auch mehrere Eltern hätten mit dieser Begründung Anzeige erstattet.

Mutter erhebt Rassismus-Vorwürfe

Die Mutter des 14- und des 22-Jährigen berichtete in einem sozialen Netzwerk über den Konflikt und forderte "Gleichberechtigung egal welche Hautfarbe sollte doch ihre volle Bedeutung haben." Ihr Vorwurf: "Rassismus herrscht noch stark und darf aber nicht sein". Sie schriebt in dem Eintrag unter anderem, dass ihr Sohn "zum XMal (..) ohne Gründe nicht einsteigen" durfte.

Busfirma weist Vorwürfe zurück

Die Firma, gegen deren Buslenker in Wels Rassismus-Vorwürfe erhoben wurden, hat  eine ausführliche Stellungnahme zu dem Zwischenfall übermittelt. Demnach habe das Verhalten des Buslenkers nichts mit der Hautfarbe des Schülers zu tun, sondern mit dem Verhalten des Jugendlichen zuvor.  Der Rassismus-Vorwurf wurde zurückgewiesen.

Die Firma berichtete, dass der 14-Jährige vor drei Wochen absichtlich vor den Bus gesprungen sei und dabei sich und andere gefährdet habe. Als er vom Lenker zur Rede gestellt worden sei, habe er gegen die Tür getreten und eine ordnungsgemäße Fahrscheinkontrolle nicht ermöglicht. In den darauffolgenden Tagen sei er zu Fuß gegangen, habe dem Lenker aber eine ordinäre Geste gezeigt.

Am vergangenen Donnerstag habe er wieder einsteigen wollen, das sei ihm verweigert worden. Als er es am Freitag wieder versuchte, sei es zu dem Zwischenfall gekommen, bei dem rund 70 Schüler im Bus eingeschlossen waren. Für kommenden Mittwoch sei ein Termin mit den Eltern, dem Schüler und Vertretern der Busfirma vereinbart, der zu einer Deeskalation beitragen und das Verhalten des Schülers ändern soll.

Die Firma verwies in ihrer Stellungnahme darauf, dass sie Mitarbeiter aus 17 verschiedenen Ländern beschäftige, darunter auch ein Lenker mit schwarzer Hautfarbe, "der seine Arbeit sehr gut macht". Mindestens die Hälfte der Fahrgäste habe einen migrantischen Hintergrund. Weil sie auch Reisebüros betreibe, lebe die Firma davon, dass die Menschen andere Länder bereisen, fremde Kulturen kennenlernen und respektieren sowie den Horizont erweitern. Diese Werte seien auch in ihrem Leitbild verankert und von der Geschäftsführung abwärts werde dies gelebt.

Auch der OÖ. Verkehrsverbund betont, dass alle Fahrgäste gleich behandelt würden: "Die Herkunft, Hautfarbe oder andere Eigenschaften eines Fahrgasts spielen dabei keine Rolle."

 

(APA/Red.)