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Brunei: Das kleine, reiche Land, der Langzeit-Sultan und die Scharia

Sultan Hassanal Bolkiah mit seiner Erstfrau, Königin Saleha - auf einem Archivbild aus dem Jahr 2015.
Sultan Hassanal Bolkiah mit seiner Erstfrau, Königin Saleha - auf einem Archivbild aus dem Jahr 2015.(c) REUTERS (Ahim Rani)
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Sultan Hassanal Bolkiah ist nach der britischen Queen der am längsten Herrschende Monarch. Lange galt er als Jetset-Sultan. Doch die Scharia war immer schon Teil des Rechts in Brunei. Dass Homosexuelle nun gesteinigt werden können, sorgt für internationale Empörung.

Brunei, das klingt nach weit entfernter Exotik. So weit, dass man vielleicht gar nicht genau weiß, wie weit. Dass das kleine Land wieder einmal in die Schlagzeilen gerät, hat mit Urlaubsparadies aber wenig zu tun. Der absolutistische Herrscher, Sultan Hassanal Bolkiah, macht seine schon lange angekündigte Drohung wahr - er gleicht das Strafrecht Schritt für Schritt an die islamische Scharia an. Und so weitet das Land, das in etwa doppelt so groß wie Vorarlberg ist, die Todesstrafe aus. Von Mittwoch an (3. April) sollen Homosexuelle, die beim Geschlechtsakt erwischt werden, zu Tode gesteinigt werden können. Die Todesstrafe droht aber auch für Vergewaltigung, außerehelichen Sex bei Muslimen, Raub und bei Beleidigung des Propheten Mohammed. 

Brunei Darassalam - wie der offizielle Staatsname lautet - ist eine zweigeteilte Enklave auf der Insel Borneo im südchinesischen Meer, ein wenig nördlich des Äquators. Das Sultanat ist von malaysischem Staatsgebiet umgeben, rund zwei Drittel der über 400.000 Bewohner sind ethnische Malayen. Die große Mehrheit ist muslimischen Glaubens. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1984 gilt eine Mischung aus britischem Rechtssystem mit dem muslimischen Strafkodex. In den vergangenen Jahren haben konservative islamische Kräfte Einfluss gewonnen. Bisher stehen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft. Schwule und Lesben werden seit jeher unterdrückt. Homosexualität war auch schon zu Kolonialzeiten offiziell verboten. 

Und seit 2014 wird die Scharia in Brunei relevanter. "Wir tun das nicht zum Spaß", drohte der Sultan damals. Er wolle lediglich Allahs Befehle aus dem Koran befolgen. Schon damals gab es internationale Proteste, der Sultan zögerte. Die Einführung der nächsten Stufe ab 3. April kam erst Mitte März über Artikel in LGBTI-Medien wieder an die Öffentlichkeit, die internationalen Druck gegen Brunei forderten und vor Reisen dorthin warnten.

Todesstrafe in den letzten Jahren nicht vollstreckt

Die Todesstrafe ist seit jeher geltendes Recht im Sultanat Brunei, wurde seit Jahrzehnten aber nicht vollstreckt. Demenstprechend offen ist auch, wie der Sultan die neue Verschärfung seiner Gesetze umsetzen wird und will. Während Hollywood-Stars wie George Clooney zum Boykott seiner Hotel-Kette aufrufen - das berühmte Beverly Hills Hotel in Los Angeles gehört dem Sultan -, gibt es auch Stimmen, die auf weitere Gespräche drängen. Durch die Aufmerksamkeit könnte der Sultan unter Druck geraten, seine Gesetze auch tatsächlich zu exekutieren.

Dabei war Sultan Hassanal Bolkiah lange Zeit eher als Jetset-Sultan bekannt. Zu seinen Hobbys zählt er Reiten und das Sammeln von Luxuswagen - angeblich besitzt er zwischen 3000 und 5000 Fahrzeuge. Seine 142 Meter lange Jacht soll zu den längsten der Welt gehören.  Der Palast, in dem er lebt, hat 1788 Zimmer. Außerdem stehen fünf Privatflugzeuge im Besitz des Sultans: darunter zwei Airbus und zwei Boeing. Er war in den 1980er-Jahren Stammgast in den spektakulärsten Casinos dieser Welt. Er ehelichte drei Frauen (mit denen er gleichtzeitig verheiratet ist) und zeugte insgesamt zwölf Kinder. Der älteste Sohn seiner Erstfrau ist der 45-jährige Kronprinz Al-Muhtadee Billah, der seit 2005 in der Politik seines Vaters mitmischt. Er studierte in Oxford am Institut für Islamstudien.

Der jüngere Bruder des Sultans, Jefri Bolkiah, sorgte wiederholt für Negativschlagzeilen. Als Finanzminister Ende der 90er-Jahre soll der "Playboyprinz" Summen in Milliardenhöhe unterschlagen haben.

Reich durch Öl und Gas

Die Staatskasse war dank Öl-Reichtums und etlicher Gasfelder prall gefüllt. Brunei gilt als eines der reichsten Länder der Welt: Sozialstaat, Bildung, Gesundheitswesen - für Bruneier gratis und auf hohem Niveau. Doch schon seit den 1980er-Jahren herrscht in Brunei strenges Alkoholverbot. Auch das öffentliche Feiern von Weihnachten oder des chinesischen Neujahrsfests ist seit einigen Jahren verboten.

Doch die Prognosen für Brunei sind weniger erfreulich. Denn das Öl könnte bald ausgehen. Und Versuche, die Wirtschaft auf andere Sektoren zu fokussieren, gingen bislang kaum auf. Dem Tourismus werden die neuerlichen Gesetz-Verschärfungen auch nicht auf die Beine helfen. Dem Sultan und seinem Kronprinz stellt sich die Frage, wie sie ihr Volk für die Zukunft rüsten können.

Bruneis Herrscher steht auf der Liste der Langzeitmonarchen auf Platz zwei hinter der britischen Königin Elizabeth II., die ihrem verstorbenen Vater 1952 auf den Thron folgte. Der bald 73-jährige Sultan regiert über Brunei seit der Abdankung seines Vaters im Oktober 1967.

(klepa/Red.)