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Aktionäre klagen Goldman-Führung

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(c) EPA (GINO DOMENICO)
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Goldman Sachs hat mit Leerverkäufen in der Hypothekenkrise Milliarden verdient. Nun klagen auch Aktionäre wegen "systematischer Verletzung der Aufsichtspflichten". Denn die Aktion hätte den Ruf der Bank zerstört.

In der Betrugsaffäre um einen Hypothekenkredit wächst der Druck auf die US-Bank Goldman Sachs. Neben den Behörden gehen nun auch Anteilseigner gegen die Bank vor. In zwei bei einem New Yorker Bundesgericht eingereichten Klagen wird Blankfein und dem gesamten Führungsgremium eine systematische Verletzung der Aufsichtspflichten vorgeworfen.

Die Beklagten hätten riskante Transaktionen mit verbrieften Hypothekenkrediten zugelassen, ohne genau zu prüfen, wie die Produkte strukturiert und vermarktet worden seien. Zudem hätten sie es versäumt, Interessenskonflikten vorzubeugen. Diese Verfehlungen hätten der Bank Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe aufgebürdet und den Ruf des Geldhauses schwer beschädigt. Ein Goldman-Sprecher wollte sich nicht zu den Klagen äußern. Rechtsexperten rechnen mit weiteren rechtlichen Schritten gegen die Bank, darunter auch mit Sammelklagen.

Milliardengewinn mit fallenden Kursen

Die Führungsspitze des Instituts rühmte sich noch Ende 2007 damit, beim Platzen der Immobilienblase viel Geld mit Finanzprodukten aus Hypotheken gemacht zu haben, wie aus Unterlagen des US-Senats hervorgeht, die am Samstag veröffentlicht wurden. Nach der US-Börsenaufsicht SEC verklagten zudem nun auch Aktionäre hochrangige Manager des Instituts.

"Natürlich sind auch wir nicht von dem Hypotheken-Chaos verschont geblieben", schrieb Bankchef Lloyd Blankfein den Senatsunterlagen zufolge in einer E-Mail im November 2007. "Wir haben Geld verloren, aber dann haben wir dank der Leerverkäufe mehr gewonnen als verloren."

Short Selling

Leerverkäufe funktionieren vereinfacht so: Angenommen, eine Aktie kostet heute 100 Euro. Ein Spekulant sichert sich mit einem Derivat das Recht, die Aktie in drei Monaten um 70 Euro zu verkaufen. Angenommen, die Aktie ist in drei Monaten am Markt zum 40 Euro zu haben. Nun kauft er die Aktie am Markt um 40 und verkauft sie sofort um die vereinbarten 70 --> und schon hat er 30 gewonnen.

Man spricht von "Leerverkauf", weil der Spekulant zum Zeitpunkt der Spekulation (im Bsp: Heute) gar keine Aktie hat, die er in drei Monaten verkaufen könnte. Er "borgt" sich die Aktie von jemandem anderen aus und retourniert sie zum Verkaufszeitpunkt, wenn er die gleiche Aktie am Markt kauf.

Auch der hochrangige Manager Donald Mullen stellte im Oktober 2007 in einer E-Mail über die Entwicklung einiger zweitrangiger verbriefter Hypothekenkredite (CDO) fest: "Es sieht ganz danach aus, als ob wir richtig Geld machen würden."

Befragung vor dem Senat

Ein Unterausschuss des Senats befragt am Dienstag Blankfein und andere Manager der Bank über die Rolle der Investmentbanken in der Finanzkrise. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Goldman wegen eines CDO verklagt, den sie mit unvollständigen Angaben vermarktet haben soll. Die Anleger, darunter auch die deutsche Mittelstandsbank IKB, verloren der SEC zufolge durch die Transaktion insgesamt rund eine Milliarde Dollar (751 Mio. Euro), während ein an dem Finanzprodukt beteiligter Hedgefonds in etwa so viel daran verdiente.

Dem "Wall Street Journal" zufolge verkauften fünf hochrangige Führungskräfte der Bank Anteile an dem Institut, nachdem die Börsenaufsicht Goldman im Juli 2009 über ihre Ermittlungen unterrichtet hatte und ein Kursverlust zu befürchten stand. Die fünf Spitzenkräfte stießen die Anteile im Wert von 65,4 Millionen Dollar demnach zwischen Oktober 2009 und Februar 2010 ab. Als die SEC Mitte April ihre Klage ankündigte, stürzte Goldmans Aktienkurs um fast 13 Prozent ab.

Die Börsenaufsicht leitete derweil eine interne Prüfung ihrer Entscheidung für die Klage ein. Einige republikanische Abgeordnete vermuten, dass das Vorgehen der SEC politisch motiviert war. Die Klage wurde kurz vor Beginn der Debatte über eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte im Senat bekanntgemacht. Die SEC hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

 

(Ag./Red)