Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

AKW Mochovce: Hülle durchlöchert

An Block 3 und 4 wird seit Jahrzehnten gebaut, die geplante Inbetriebnahme musste immer wieder verschoben werden.
An Block 3 und 4 wird seit Jahrzehnten gebaut, die geplante Inbetriebnahme musste immer wieder verschoben werden.APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK
  • Drucken

Augenzeugen berichten über massive Baumängel und Sicherheitsprobleme am AKW an der Grenze zu Österreich, das schon im Juli in Betrieb gehen soll.

Bratislava/Wien. In nur rund drei Monaten soll der erste der beiden neuen Meiler des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce in der Slowakei ans Netz gehen: Doch Berichte über katastrophale Sicherheitsmängel mehren sich – und damit werden die Rufe aus Österreich nach einem Baustopp immer lauter.

Zeugenaussagen über Schlampereien bei dem seit Jahrzehnten in Bau befindlichen AKW nur 120 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt sowie Fotos belegen laut der Umweltschutzorganisation Global 2000 „gravierende Mängel“. Die Hülle des Reaktors sei durch Bohrungen derart beschädigt, dass die Sicherheit im Falle eines Unfalls nicht mehr gegeben sei. Tausende Löcher seien in die Wände des Reaktorgebäudes und der hermetischen Kammern gebohrt worden, um Halterungen für Kabel, Rohre und Dampferzeuger zu befestigen. Diese Bohrungen seien „einfach im Blindflug“ erfolgt, heißt es seitens Global 2000. Ein Techniker, der früher an dem Bau des Reaktors gearbeitet hat, hat der Organisation Fotomaterial zugespielt. „Aufgrund dieser uns anvertrauten Informationen müssen wir davon ausgehen, dass die Statik des Reaktorgebäudes geschwächt und die hermetischen Kammern, die im Falle eines schweren Unfalls den Austritt von radioaktiven Stoffen aufhalten sollten, beschädigt sind“, sagte Reinhard Uhrig von Global 2000.

 

Betreiber ignorieren Mängel

Bereits vor einiger Zeit hat ein italienischer Maschinenbauingenieur, der am Bau in Mochovce beschäftigt war, 2017 aber entlassen wurde, schwere Vorwürfe gegen den AKW-Betreiber erhoben: Mario Zadra sprach damals davon, dass der gesamte Bauplan grobe Mängel aufweise, dass teils Genehmigungen fehlten und unqualifizierte Hilfskräfte Schweißarbeiten durchgeführt hätten. Er sagte auch, dass massiver Druck von oben ausgeübt worden war, die Anlage so schnell wie möglich fertigzustellen. Die Betreiber wüssten von den massiven Schwierigkeiten, würden aber nichts unternehmen.

Block 1 und 2 des AKW Mochovce gingen vor rund 20 Jahren ans Netz. An Block 3 und 4 wird seit Jahrzehnten gebaut, die geplante Inbetriebnahme musste immer wieder verschoben werden. Der erste Meiler soll aber nun Anfang Juli ans Netz gehen, der zweite kommendes Jahr. Österreich verlangt seit Langem die Öffnung der Baustelle für eine Inspektion, Behörden und Betreiber wiegeln ab.

Reaktionen kamen am Mittwoch aus allen politischen Lagern: Umweltministerin Elisabeth Köstinger sprach von „besorgniserregenden Berichten“. Die Bundesregierung dränge, alle Sicherheitsbedenken auszuräumen, sagt die Ministerin. SPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Schieder sprach von einem „brandgefährlichen nuklearen Schrotthaufen“. Er sieht Köstitinger am Zug, die Europäische Kommission einzuschalten. (red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2019)