Vienna City Marathon: Marathon-Champion, Lehrerin und Mutter

Im Vorjahr noch von der Hitze gestoppt, heuer in Topform: Nancy Kiprop.
Im Vorjahr noch von der Hitze gestoppt, heuer in Topform: Nancy Kiprop.(c) APA/HELMUT FOHRINGER

Die kenianische Spitzenläuferin Nancy Kiprop peilt nicht nur ihren dritten Sieg, sondern auch einen neuen Streckenrekord an. Mit dem Preisgeld will sie ein Schulprojekt in ihrer Heimat vorantreiben.

Wien. Am Sonntag steht die Kenianerin Nancy Kiprop zum dritten Mal beim Vienna City Marathon an der Startlinie. „I am excited to be back here“, sagte sie bei der Pressekonferenz der Topathleten. Verständlich, hat die 39-Jährige Wien doch zuletzt zweimal in Folge als Marathonsiegerin verlassen. 2017 hatte sie nach einem knappen Finish ihre Landsfrau Rebecca Chesire um fünf Sekunden distanzieren können, im Vorjahr gewann sie bei einem Hitzerennen überlegen in 2:24:18 Stunden. Ihre aktuelle Topmarke stellte Kiprop im vergangenen Herbst in Frankfurt mit 2:22:46 Stunden auf. Mit dieser Zeit würde sie den mittlerweile 19 Jahre alten Streckenrekord der im Februar unerwartet verstorbenen Italienerin Maura Viceconte von 2:23:47 pulverisieren.

Das ist auch das erklärte Ziel der Kenianerin, die ihre Topform vor rund vier Wochen mit einem Sieg beim Paris-Halbmarathon in 1:09:12 Stunden unter Beweis stellte. Schon im Vorjahr sei sie auf dem Weg zu einer Wien-Bestzeit gewesen, dann hätten ihr sommerliche 21 Grad bereits zum Start um neun Uhr einen Strich durch die Rechnung gemacht, erzählt Kiprop.

Die Prämie von 6000 Euro für einen Streckenrekord nebst 15.000 Euro für den Marathonsieg könnte sie gut gebrauchen. Die bisherigen Wien-Prämien hatte sie in ein Schulprojekt in ihrer Heimat investiert. Ein Schulgebäude nahe dem Laufzentrum Iten wurde mit der ersten Siegprämie fertiggestellt, im Jänner des Vorjahres konnte der Schulbetrieb mit sechs Kindern aufgenommen werden. Mit den Einnahmen aus 2018 wurden ein zusätzliches Unterrichts- und ein Verwaltungsgebäude errichtet. Inzwischen besuchen 125 Kinder die Nancy Cletius Academy in Chesitek, unterrichtet werden sie von sieben Lehrern.

 

Die Herausforderin

„Gemeinsam mit Adidas ist das Unmögliche möglich geworden. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, was ich bekommen habe“, sagt die Mutter von sieben Kindern, wobei fünf von ihnen adoptiert sind. Am 19. Oktober 2018 gab es die erste Abschlussfeier einer Schulklasse. Die Weltklasseläuferin ist selbst ausgebildete Lehrerin und fungiert als Direktorin. Neben der Antrittsprämie würde sie ein dritter Erfolg in Wien dem Ziel, das Projekt zu expandieren und jedes Jahr eine neue Klasse zu eröffnen, näherbringen.

Eine Konkurrentin, die ihr den Marathonsieg am Sonntag streitig machen könnte, ist die Schweizerin Maja Neuenschwander, die ebenfalls gute Erinnerungen an Wien hat. Noch vor ihrem Abflug aus der Schweiz hat sich die 39-Jährige das Video von ihrem Siegeslauf 2015 angesehen. In den vergangenen Jahren hatte die Athletin mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. 2018 lief Neuenschwander Halbmarathon-Bestzeit, wurde aber von einem Ermüdungsbruch im Fuß gestoppt.

Neuenschwander hat indessen einen Job beim Nationalen Olympischen Komitee der Eidgenossen angetreten, der ihr in den trainingsintensiven Phasen sehr entgegenkommt. Ihre Erfahrung kann die Schweizer Rekordhalterin auch im Beruf weitergeben: Dort berät sie nämlich Spitzensportler für duale Karrieren.

Für Sonntag ist Neuenschwander sehr zuversichtlich. Zu ihrer Vorbereitung auf Wien war sie zweimal für drei Wochen im kenianischen Laufmekka Iten, wo sie ihre Trainingskilometer auch gemeinsam mit Nancy Kiprop absolvierte. Sie werde das Rennen eher defensiv angehen, um sich dann „hinten heraus noch steigern zu können“. (herbas)