Viel Herz und edle Stimmen für die „Bohème“

Bryan Hymel und die Ensemblemitglieder Olga Bezsmertna und Maria Nazarova feierten Debüts.

Dass nicht alles von einem Einzelton abhängt, ist im Operngeschäft eine Binsenweisheit. Freilich, wenn ein so exponiertes hohes C einmal schiefgeht wie jenes, das Giacomo Puccini seiner Mimi im Ausklang des ersten Bilds seiner „Bohème“ komponiert hat, trübt das den Eindruck, den eine Aufführung hinterlässt. Und doch: Olga Bezsmertna packte ihr Publikum mit vokaler und schauspielerischer Intensität, denn sie beherrscht auch jene für diesen Komponisten so unabdingbare Kunst, eloquentes Parlando in große melodische Linien überzuführen. Ihre Arie im dritten Bild wurde so zum innigen Höhepunkt der von Ramón Tebar detailverliebt und mit Sinn für dramatische Zuspitzungen dirigierten 434. Aufführung der nach wie vor mustergültigen Zeffirelli-Inszenierung.

Dank des bestens harmonierenden Ensembles mit Boaz Daniel (Marcello), Manuel Walser (Schaunard) und Ryan Speedo Green (Colline) wurde das letzte Bild zu einem virtuosen emotionalen Crescendo, vom komödiantischen Witz in eine berührende Todesszene mündend. Da hatte auch Bryan Hymel, der als Rodolfo debütierte, längst seine Nerven wiedergefunden, die ihn zu Beginn ein wenig im Stich gelassen hatten: Doch ab der Szene im Café Momus strömte der Tenor mit sicheren Höhen und durchaus heldisch-sonorem Glanz – eine der edelsten Stimmen unserer Zeit!

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