Thessaloniki: Migranten drängen weiter nach Norden

Die Konfrontationen zwischen Migranten und Sicherheitskräften nahe Thessaloniki drohen auszuufern
Die Konfrontationen zwischen Migranten und Sicherheitskräften nahe Thessaloniki drohen auszuufernimago images / ZUMA Press

Starke Polizeieinheiten verhinderten erneut einen Marsch Richtung Nordmazedonien und Mitteleuropa. Mittlerweile haben sich mindestens 2000 Personen versammelt, Frauen und Kinder werden als „Vorhut" eingesetzt, um die Sperren zu überwinden.

Bereits rund 2000 Migranten haben am Samstag zum dritten Tag in Folge ihre Absicht verkündet, von der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki zur rund 60 Kilometer nördlich liegenden Grenze zu Nordmazedonien zu marschieren. Anschließend wollen sie nach Mitteleuropa weiterreisen. Die Menschen übernachteten in Zelten rund um ein Flüchtlingslager bei Diavata. Dort soll der Marsch nach Norden starten.

Die Flüchtlinge reagierten auf Berichte in sozialen Netzwerken, wonach Anfang April ein organisierter Grenzübertritt möglich sei. Dies dementierte am Freitag Migrationsminister Dimitris Vitsas: "Es ist eine Lüge, dass die Grenzen offen sein werden", sagte er dem staatlichen TV-Sender ERT.

Starke Polizeieinheiten verhinderten erneut den Marsch, berichteten übereinstimmend griechische Medien. In den vergangenen Tagen war durch das Internet das Gerücht verbreitet worden, die Grenze zu Nordmazedonien sei offen bzw. werde geöffnet, sollten sich größere Menschenmassen darauf zubewegen. Spätestens seit Donnerstag hatten darauf jeweils einige hundert Menschen versucht, nach Norden zu ziehen, und wurden von Polizeieinheiten gestoppt. Mittlerweile werden es immer mehr und teils sehr aggressive Menschen.

Hässliche Szenen

Es entwickelten sich auch jedes Mal hässliche Szenen, weil Frauen und teils ganz kleine Kinder, wie Journalisten berichten und auf Fotos offensichtlich ist, quasi als „Vorhut" vorgeschickt wurden, um die Polizeisperren zu überwinden, während junge Männer und Ältere dahinter abwarteten. Die Beamten feuerten Tränengas auf Dutzende von Menschen. Diese warfen Steine und Flaschen und versuchten eine Polizeisperre zu durchbrechen, um auf eine Straße zu gelangen, die Richtung Grenze führt. Manche trugen Kinder in ihren Armen.

Das griechische Migrationsministerium indes erklärte, die Grenze werde nicht geöffnet. Alle Migranten sollten in ihre Unterkünfte zurückgehen. Dazu stünden Busse bereit.

Frauen versuchen mit Kindern in vorderster Linie die Polizeisperren zu überwinden
Frauen versuchen mit Kindern in vorderster Linie die Polizeisperren zu überwindenAPA/AFP/SAKIS MITROLIDIS
APA/AFP/SAKIS MITROLIDIS

Ansammlungen von Migranten, die nach Norden reisen wollten, gibt es mittlerweile auch in Athen. Dort besetzten am Freitag rund 300 Menschen den Hauptbahnhof. Der Bahnverkehr wurde für Stunden eingestellt. Die Besetzung wurde jedoch in der Nacht auf Samstag beendet, teilte die Eisenbahndirektion mit. Alle Züge fuhren wieder.

Während des Höhepunkts der Migrationskrise war entlang der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien ein Grenzzaun gebaut worden. Dieser steht noch und wird überwacht. Damit ist die sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa weitgehend geschlossen worden. Sie führt von Griechenland über Nordmazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich weiter nach Norden und Westen. Die Route über Ungarn ist seit Ende 2015 zu. 2015 und 2016 waren mehr als eine Million Menschen über diesen Weg vor allem nach Deutschland, Schweden und die Niederlande gereist.

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