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Ratingagenturen: "Verkauften unsere Seele dem Teufel"

Ratingagenturen Verkauften unsere Seele
(c) Reuters (Toby Melville)
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Interne E-Mails der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's zeigen, welchen Druck Banken ausübten, um gewünschte Bewertungen für komplexe Finanzprodukte zu erhalten.

Im Zuge der Untersuchungen des US-Senats bezüglich der Ursachen der Finanzkrise sind brisante E-Mails an die Öffentlichkeit geraten. Seit 2005 waren Ratingagenturen demnach dem zunehmenden Druck von Banken ausgesetzt, berichtet die "Financial Times". Es ging dabei darum, wie sie Bewertungen von komplexen Finanzprodukten vorzunehmen hatten. Interne E-Mails der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's zeigen: Wer lukrative Geschäfte mit Banken machen wollte, musste Kompromisse eingehen und interne Richtlinien ignorieren.

Ratingagenturen litten unter "Stockholm-Syndrom"

Ein hoher Moody's-Manager spricht im Zusammenhang mit der Vergabe von AAA-Ratings für Hypothekenschuldverschreibungen "entweder von einer inkompetenten Kreditanalyse" oder davon, dass "wir unsere Seele dem Teufel verkauft haben". Ein Standard & Poor's-Mitarbeiter sagt wiederum, das Hypotheken-Team sei den "Top-Emittenten von Wertpapieren derart verpflichtet gewesen, dass sie eine Art Stockholm-Syndrom gegenüber den Kunden entwickelt haben".

Stockholm-Syndrom

Darunter versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Geiselnahme-Opfer ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert

Ein anderer Moody's-Mitarbeiter erzählt einem Banker, dass seine Kollegen "ein paar Anpassungen bei ihrer Methodik vornehmen werden, die Ihren Leuten zugutekommen werden". Die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" zitiert aus dem E-Mail eines Standard & Poor's-Analysten, wonach Goldman Sachs-Banker Druck auf ihn ausübten, um bei der Schaffung von "Collateralized Debt Obligations" (CDO's) während des Häuser-Booms niedrigere Standards anzulegen.

Als 2007 Michel Prada von der französischen Regulierungsbehörde AMF vor möglichen Interessenskonflikten der Ratingagenturen warnte, wurde er öffentlich als Spinner dargestellt. Privat sah das ein Standard & Poor's-Manager aber anders, berichtet die "Financial Times". "Wir klingen wie das Weiße Haus unter Präsident Nixon. Anstatt solche Dinge abzutun oder irgendwelche dunklen Motive zu unterstellen, sollten wir uns selbst fragen, wie wir so falsch handeln konnten". Sollte sein Unternehmen in Probleme kommen, hätten nicht die fehlende Ethik oder Gier schuld, sondern Arroganz.

Banken "hatten starke Eigeninteressen"

Indes attackiert Carl Levin, der demokratische Vorsitzende des Senatsausschusses, die Wall Street-Banken. Dieses hätten nicht neutral im Kundenauftrag agiert, lautet sein Vorwurf. "Sie hatten starke Eigeninteressen, riskante und komplizierte Finanzkonstrukte in den Markt zu drücken, die die Krise befördert haben", sagt Levin laut "Financial Times Deutschland".

Die Ratingagenturen seien dazu gebracht worden, die riskanten Finanzkonstrukte mit Bestnoten zu versehen, ehe sie an Investoren verkauft wurden. So sei das Risiko vergrößert und breit über die Finanzmärkte gestreut worden. "Allzu oft haben sie gegen die Instrumente gewettet, die sie selbst verkauft haben, und auf diese Weise auf Kosten ihrer Kunden profitiert", meint Levin der Zeitung zufolge.

(phu)