Die 100 Tage des großen Mordens

Ruandische Flüchtlinge strömen am 30. Mai 1994 über die Grenze nach Tansania. Rund zwei Millionen Ruander flüchteten 1994 in die Nachbarländer.
Ruandische Flüchtlinge strömen am 30. Mai 1994 über die Grenze nach Tansania. Rund zwei Millionen Ruander flüchteten 1994 in die Nachbarländer.(c) REUTERS (REUTERS FILE PHOTO)
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Vor 25 Jahren wurden in Ruanda in nur drei Monaten mindestens 800.000 Menschen bestialisch umgebracht. Der Völkermord war geplant und entfaltete sich vor den Augen der Weltgemeinschaft – doch diese sah weg. Die Geschichte eines kolossalen Scheiterns.

Es ist schon dunkel, als das Flugzeug des Präsidenten am 6. April 1994 gegen 20 Uhr die ruandische Hauptstadt Kigali ansteuert. An Bord ist nicht nur Ruandas Staatschef Juvénal Habyarimana, sondern auch jener von Burundi, Cyprien Ntaryamira. Die beiden Politiker kehren von Verhandlungen in Tansania über die Umsetzung eines Abkommens zurück, das eine Machtteilung vorsieht zwischen der Hutu-Mehrheit, der Habyarimana angehört, und den von Tutsis dominierten Rebellen der Patriotischen Front Ruandas, kurz FPR.

Doch Minuten bevor das Flugzeug auf der Landebahn aufsetzen kann zerreißt ein Knall die Stille der Nacht. Getroffen von zwei Boden-Luft-Raketen, explodiert die Maschine. Der Feuerball am Himmel ist weit über Kigali zu sehen. Es ist der Startschuss für den Völkermord in Ruanda. Noch in der Nacht beginnt das große Morden.


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