Griechenland werde nicht das letzte Euro-Land sein, dass IWF-Hilfe braucht, sagt US-Ökonom Kenneth Rogoff. Irland, Spanien und Portugal seien "auffällig verwundbar". Die nötigen Budgetkürzungen seien tiefgreifend.
"Es ist wahrscheinlicher, dass wir in den kommenden zwei bis drei Jahren ein IWF-Programm in mindestens einem anderen Euro-Land brauchen, als dass das nicht passiert", warnt der ehemalige IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff laut Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg". "Die Budgetkürzungen, die in vielen europäischen Ländern nötig sind, sind tiefgreifend".
Rogoff geht davon aus, dass Griechenland nicht das letzte Land sein wird, das Hilfe des Internationalen Währungsfonds IWF benötigt. Irland, Spanien und Portugal seien "auffallend verwundbar", sagt Rogoff.
Auch der deutsche Ökonom und ifo-Chef Hans-Werner Sinn nennt in einem "Spiegel Online"-Interview weitere Kandidaten einer möglichen Staatspleite. Er urteilt ähnlich wie Rogoff: "Portugal, Irland, Spanien, Italien - in dieser Reihenfolge. Irland zum Beispiel hat behauptet, dass es energische Restrukturierungsmaßnahmen macht und von seinem 14,5 Prozent Budgetdefizit runterkommt. Kommt es aber nicht."
Die Sorgenkinder im Überblick
Portugal gilt nach Meinung von Experten als der am meisten gefährdete Staat nach Griechenland. So ist der Risikoaufschlag, für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bundespapieren auf 205 Basispunkte und damit auf ein neues Rekordhoch geklettert, berichtet "Financial Times Deutschland". Auch die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Portugals erreichten einen neuen Höchststand. Laut "FTD" stiegen die Kosten für Kreditderivate auf fünfjährige Staatsanleihen um rund zehn Basispunkte auf 288. Es kostet somit 288.000 Euro im Jahr, Anleihen im Wert von 10 Millionen Euro zu versichern.
Besonders dramatisch wäre aber eine ökonomische Bauchlandung Spaniens. Die Volkswirtschaft der Iberer ist viermal so groß wie die Griechenlands. Erst Mitte April senkte die Ratingagentur Standard & Poor's die Bewertung des Landes um eine Note. Begründet wurde der Schritt damals mit dem zu erwartenden Anstieg der Kreditausfälle wegen der hohen Verschuldung von Unternehmen und Privaten. Bemäkelt wird vor allem die große Abhängigkeit der spanischen Wirtschaft vom krisengeschüttelten Immobiliensektor.
Die irische Regierung muss ihren Großbanken und Immobilienfinanzierern mit weit höheren Milliardenbeträgen unter die Arme greifen als befürchtet worden war. Erst am Freitag wurde bekannt, dass Irland mit 14,3 Prozent über das höchste Staatsdefizit in der EU verfügt (DiePresse.com berichtete).
Misstrauen weiterhin auch gegen Griechen
Auch Griechenland selbst hat trotz zugesagter Hilfen in der Höhe von 45 Milliarden Euro (30 durch die Euro-Staaten, 15 durch den IWF) erheblich zu kämpfen. Die Kosten für die Schulden des Landes erreichten am Montag einen neuen Rekordwert. Für griechische Staatsanleihen verlangten Investoren 9,116 Prozent Rendite.
(Red.)