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Der philharmonische Beethoven-Zyklus tröpfelt weiter

Themenbild: Wiener Musikverein
Themenbild: Wiener Musikverein(c) Clemens Fabry
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Kritik
Musikverein: Andris Nelsons holte noch Rudolf Buchbinder als Solisten.

Natürlich gibt es nicht viele schönere Beschäftigungen, als einen Nachmittag den Philharmonikern zuhören zu dürfen, wie sie Beethoven spielen. Und eine richtige Entscheidung hat Andris Nelsons ja getroffen: Er fordert bereits für die ersten beiden Symphonien eine möglichst große Besetzung und geht damit zu Recht gegen die Schmähtandeleien der Originalklang-Generation an, die behaupten, Musik jener Epoche klänge nur in Miniaturbesetzungen „richtig“. Die Wahrheit ist: In Sälen vom Format des Wiener Musikvereins bestanden schon Haydn und Mozart auf großen Orchestern.

Und sie verdoppelten auch die Bläser, was Nelsons unterlässt. Womit wir schon beim ersten Kritikpunkt wären: In seinem Beethoven-Zyklus lässt es der sympathische Dirigent an Gestaltungswillen und Übersicht fehlen. Wie die meisten Maestri, die mit Schostakowitsch und Mahler Karriere machen, hat er mit der Wiener Klassik seine Probleme. Dass man ihn in Wien üben lässt, scheint nicht nur angehörs der mangelenden Balance zwischen den Musikergruppen ein wenig kühn; auch was die rhythmische Präzision und sogar die Koordination heiklerer Passagen betrifft, wirkte das samstägliche Programm eher wie eine erste Verständigungsprobe.

Freilich, man hat nebst Philharmonikern (Albena Danailova, Tamás Varga) auch den ans Mitdirigieren gewöhnten Rudolf Buchbinder für das Tripelkonzert aufgeboten. Wenn nicht gerade die Klarinetten die Führung übernahmen, war es er, der mit prägnanten Basstönen für Ordnung sorgte – so nahm die Musik doch ihren philharmonischen Lauf. Das genügt für freundlichen Applaus. (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2019)