May ohne Merkel: Die kleine Panne am roten Teppich im Berlin

Hoppla, zu spät. Angela Merkel kam zu spät, um Theresa May am Eingang des Bundeskanzleramts in Berlin zu begrüßen.
Hoppla, zu spät. Angela Merkel kam zu spät, um Theresa May am Eingang des Bundeskanzleramts in Berlin zu begrüßen.REUTERS

Kurze Irritiation für Theresa May bei ihrer Ankunft vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Als sie aus der Limousine stieg, war niemand da, um sie in Empfang zu nehmen.

Es war gerade Mittag im sonnigen Berlin, als die britische Premierministerin Theresa May mit ihrer dunklen Limousine vor dem Bundeskanzleramt vorfuhr. Der rote Teppich war ausgerollt, die Pressevertreter und Fotografen warteten. Schließlich ging es - wiedereinmal - um entscheidende Gespräche über den Brexit mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch diese ließ sich nicht blicken. Sichtlich irritiert stieg May aus und ging schließlich alleine die wenigen Meter vom Auto ins Bundeskanzleramt und verschwand im Gebäude.

War es ein Zeichen der Ablehnung, der Machtdemonstration, das Merkel setzen wollte? So spottete die britische Presse. Doch May und Merkel kamen wenig später wieder vor die Tür, um das Begrüßungsritual nachzuholen. Eine freundliche und entschuldigende Umarmung Merkels zeigte viel mehr, hier ist dem Team der Kanzlerin das Timing missglückt. Das Händeschütteln auf dem roten Teppich wurde kurzer Hand nachgeholt, bevor die beiden Regierungschefinnen sich zu einem rund 90-minütigen Gespräch zurückzogen.

Gesprächsmarathon

Am Abend (18 Uhr) spricht May auch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Er sieht eine weitere Verschiebung des Austritts mit großer Skepsis. Die Europäische Union könne nicht dauerhaft "Geisel" einer politischen Krisenlösung in London sein, erklärte er kürzlich.

Bereits am Montagabend hatte May mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) telefoniert. Wie es aus dem Kanzleramt hieß, sei vor allem die Vermeidung eines Hard Brexit erörtert worden. Kurz habe dabei seine drei Prioritäten - Wahrung der Einheit der EU-27, Vermeidung eines "Hard Brexit" und Nicht-Teilnahme der Briten an der Europawahl - bekräftigt. Für eine Fristverlängerung bedürfe es eines konkreten Plans der Briten.

Nachdem ihr mit der EU ausverhandelter Austrittsdeal vom Unterhaus drei Mal abgelehnt worden war, hatte May in der Vorwoche Verhandlungen mit der Opposition aufgenommen. Diese fordert aber, dass Großbritannien mit der EU in einer dauerhaften Zollunion verbunden bleibt, was für die regierenden Konservativen in den Verhandlungen mit Brüssel ein rotes Tuch gewesen war.

(Red./Ag.)