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FPÖ: Der nationale Flügel darf bleiben

(c) Clemens Fabry
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In der FPÖ hat man die Hofburg-Wahl abgehakt, eine Kurskorrektur wird es nicht geben. Bei der anstehenden Wiener Landtagswahl wird Strache dennoch weicher als bisher auftreten.

Wien. Andreas Mölzer, der freiheitliche EU-Abgeordnete, ist bemüht, die Relationen zurechtzurücken: „Heide Schmidt hat, von den Medien als angebliche Liberale verhätschelt, als freiheitliche Präsidentschaftskandidatin 1992 knapp über 16 Prozent der Stimmen erreicht. Barbara Rosenkranz hat nun, als von den Medien nicht verhätschelte Kandidatin, ebenfalls fast 16 Prozent erreicht.“ Es sei ein „ordentliches Ergebnis“ gewesen, wiewohl sicher mehr drinnen gewesen wäre.

In der FPÖ hat man die Hofburg-Wahl abgehakt. Vor allem der „Umfaller“ der „Krone“, so der Tenor in der Partei, habe einen Erfolg verhindert. Und die „untergriffigen Attacken“ anderer Medien. Aber auch die Kandidatin selbst hätte sich mit ihren anfangs missverständlichen Äußerungen zur NS-Zeit geschadet. Man hätte sie vorab wohl besser briefen sollen, wird selbstkritisch angemerkt.

Doch eine ideologische Neuausrichtung der FPÖ, ein Abrücken vom nationalen Flügel um Barbara Rosenkranz und Martin Graf, wird es nicht geben. „Das ist ein Wunschdenken der politischen Gegner aus dem Reich der Fantasie“, sagt FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. Aber anscheinend nicht nur: Der Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender, Fritz Amann, forderte ein Umdenken „in Richtung freiheitlich-liberaler Werte“, kritisierte Straches „falsche Strategie“ und die zu „rechtslastige“ Rosenkranz.

Dass Strache, selbst dem nationalen Flügel entstammend, und Rosenkranz einander nicht sonderlich grün sind, ist bekannt. Doch der FPÖ-Chef sieht derzeit keinen Anlass, mit dem „nationalkonservativen Kern“ seiner Partei zu brechen, zumal dieser, wie nun bei der Präsidentenwahl zu ersehen, noch immer für zehn bis 15 Prozent gut ist.

Bei der anstehenden Wiener Landtagswahl wird Strache dennoch weicher als bisher auftreten, denn die „harten Themen“ werden ihm ohnehin zugeschrieben. Es gilt, die Dominanz in den nicht mehr ganz so neuen freiheitlichen Zielgruppen – bei den Arbeitern, kleinen Angestellten und Jungen – auszubauen. Selbst Barbara Rosenkranz, nicht gerade eine Attraktion für junge Wähler, brachte es bei den Präsidentschaftswahlen in der Gruppe der unter 30-Jährigen auf 22 Prozent – das sind fast sieben Prozentpunkte mehr als in ihrem Gesamtergebnis.

Strache hatte sich zuletzt öffentlich eher zurückgehalten, sieht man von Klagen über tätliche Angriffe in Discos oder verbale von Skinheads und ORF-Verantwortlichen ab. Im Rosenkranz-Wahlkampf hatte er sich weitgehende Absenz verordnet. Den Auftritt bei deren Wahlkampfauftakt sagte er aus privaten Gründen ab. Es war allerdings keine Finte: Seine Mutter war tatsächlich akut erkrankt.

 

Strache „topmotiviert“

Man brauche sich jedoch keine Sorgen um den FPÖ-Obmann zu machen, sagt Generalsekretär Kickl: „Heinz-Christian Strache ist topmotiviert.“ Schließlich stünden große Aufgaben vor ihm – etwa die Mobilisierung der Nichtwähler für die FPÖ bei der Wien-Wahl 2010.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27. April 2010)