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Sibylle Hamann

Soll das Land Tante Resi bezahlen, damit sie Onkel Alfred pflegt?

Die burgenländische Idee zur Pflegereform klingt gut. Aber sie birgt Risken, speziell für Frauen. Die öffentliche Hand darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

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Angenommen, Onkel Alfred ist Burgenländer. Und angenommen, Onkel Alfred ist dement, schlecht zu Fuß und zuckerkrank. Dann tun sich für Onkel Alfred und seine Angehörigen ab Herbst interessante neue Perspektiven auf: Das Burgenland will nämlich die Pflege neu organisieren und macht sich damit zum Vorreiter in Österreich. Auch die Bundesregierung hat ja die Pflege als Thema Nummer eins definiert. Tatsächlich geht es um eine Frage, die keinen von uns unberührt lassen kann. 460.000 Menschen beziehen derzeit Pflegegeld, in den nächsten zehn Jahren werden es um ein Drittel mehr sein. 950.000 Menschen sind heute schon in die Pflege von Angehörigen involviert.

Statistisch gesehen, lebt Onkel Alfred derzeit zu Hause (wie 85% aller Pflegebedürftigen). Statistisch gesehen, ist die Person, die sich um ihn kümmert, weiblich (wie drei Viertel aller pflegenden Angehörigen und 95% aller selbstständigen 24-Stunden-Betreuerinnen). Ihre Aufgabe ist keine leichte: Onkel Alfred kann eigenwillig sein. Man darf ihn nie lang aus den Augen lassen, sonst stellt er etwas an. Manchmal ist er, krankheitsbedingt, unleidlich und aggressiv. Menschen, die ihn schon lang kennen, können zwar Erinnerungen aus der Zeit abrufen, als er noch lustig war – dann geht es leichter, manchmal lieb zu ihm zu sein. Aber es gibt halt auch Momente, in denen er nervt. Momente, in denen man sich überfordert und mit seinem ständigen Gejammere alleingelassen fühlt. Oder Momente, in denen einem einfällt, dass Onkel Alfred eigentlich nie für einen selbst da war. Wenn man früher, als die Kinder noch klein waren, jemanden gebraucht hätte, der kurz einmal auf sie schaut, hatte Onkel Alfred immer eine Ausrede parat. Da kann es heute schon einmal vorkommen, dass man ein bisschen grob zu ihm wird.