Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer

„Game of Thrones“ Episodenblog, Staffel sieben, Folge zwei: Fragen der Loyalität

Die Folge „Stormborn“ hat viel Handlung – und auch Action.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen „Game of Thrones“-Folge verraten.

In eigener Sache: Der Beitrag erschien zuerst auf meinem privaten Blog

Vergangene Woche schrieb mir ein Leser auf Twitter, er hoffe, dass „Game of Thrones“ die Handlung in der kurzen siebten Staffel nicht überhaste. Die zweite Folge „Stormborn“ wirkt meiner Meinung nach schon ein wenig gehudelt. Schon im Finale von Staffel sechs wurde die Geschwindigkeit, mit der etwa die Protagonisten in Westeros reisen, erhöht – und dieser „Speed“ wird in Staffel sieben fortgesetzt. In manchen Dingen könnte sich „Game of Thrones“ durchaus ein wenig Zeit lassen, finde ich. Aber ich kenne natürlich die weitere Handlung nicht – und wer weiß, welche großen Dinge da noch auf uns zukommen.

Zwei Themen ziehen sich durch „Stormborn“: geschwisterliche Hass-Liebe und die Frage nach Loyalität. Der Sturm, der um die Targaryen-Heimatburg Dragonstone braust, dürfte Daenerys Misstrauen angefacht haben. So angriffig und aggressiv wie im Gespräch mit Oberspion Varys haben wir sie selten erlebt. Sie entlockt ihm aber das Geständnis, wem gegenüber er wirklich loyal ist: nicht den Herrschern, sondern den einfachen Menschen. „People have no better chance than you“, sagt Varys zu Daenerys. Im Moment schaut es ganz danach aus.

„Be a dragon“

Misstrauen streut auch Olenna Tyrell beim großen, fast rein weiblichen Konspirationstreffen auf Dragonstone, bei dem auch schon Ellaria Sand, die in Dorne nun die Macht hat, und freilich Yara Greyjoy (mit Theon) sind. Die spitzzüngige Oma wünscht sich mehr Angriffslust von Daenerys: „They won’t obey you unless they fear you“, sagt sie ihr und rät: „Be a dragon“. Hoffentlich lässt sich Daenerys nicht beirren und hört weiterhin auf ihren „Hand“, der ihr sagt: „You’re not here to be queen of the ashes.“

Der Plan der Drachenmutter – King’s Landing nicht anzugreifen, sondern zu belagern; ein Plan, der wohl von Tyrion und Varys stammt – scheint Lady Olenna nicht zu gefallen oder einfach zu langsam zu gehen. Die Entscheidung, die Hauptstadt nicht zu stürmen versuchen, ist angesichts der neuen Superwaffe von Cersei aber wohl in mehr als einer Hinsicht clever: Ich will keinen der drei Drachen Opfer von Maester Qyburns XXL-Armbrust werden sehen. Ich will drei Drachen mit drei ReiterInnen sehen!

Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer
Daenerys'Konspirationstreffen(c) HBO

Auf der Suche nach Allianzen zeigt sich Cersei populistisch: auch sture, treue Lords wie Randyll Tarly, Samwells fiesen Vater, lassen sich mit der Aussicht darauf, dass ein Haufen Wilder und Eunuchen aus dem Osten über das Land herfallen werde, vielleicht überzeugen, sich ihr anzuschließen. Tyrion hätte dieser Angstmache mit seinem Plan, dass die etablierten Häuser wie die Tyrells die Königsstadt belagern, während die „Fremden“ die Lannister-Heimatburg Casterly Rock einnehmen, den Boden entzogen. Aber diesen Plan hat Cerseis fischiger Verehrer Euron Greyjoy wohl zerstört.

Frauen haben gegen Euron keine Chance

Denn es gibt die erste reine Seeschlacht in „Game of Thrones“, als Euron die Flotte seiner Nichte Yara angreift. Natürlich keine „Battle of the Bastards“, aber gut gemacht, mit viel Feuer. Wieder einmal enttäuschten die Sand Snakes, die es nicht schaffen, Stiefmama Ellaria zu schützen. Auch Yara hat gegen ihren Onkel keine Chance. Kann keine Frau dieses Fieslings besiegen, ist das die Botschaft? In den Büchern liest sich die Kampfkunst der Sand Snakes ganz anders. Wo sind eure vergifteten Klingen, Mädels? Habt ihr gar nix von Papa Oberyn gelernt?

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Yara greift ihren Onkel an, doch der nimmt sie gefangen(c) HBO

Und dann springt Theon noch lieber über Bord, als seiner Schwester zu Hilfe zu eilen, obwohl er noch kurz zuvor geschworen hat, er werde sie beschützen. Allerdings: Es hätte eh nichts gebracht, dass wissen wir – da müssen wir uns nur an Rickon Stark erinnern.

Euron hat nun also nicht nur ein Geschenk für Cersei, sondern gleich zwei: Ellaria und Yara. Da muss die Königin dann auf seinen Heiratsantrag „Ja“ sagen, oder?

Eine „Einladung“ aus dem Süden

Im Norden geht die Vertrauenskrise (wobei: das Vertrauen zwischen den beiden war wohl nie besser) zwischen Jon Snow und seiner Eigentlich-nicht-Schwester Sansa Stark weiter. Der König im Norden hört wieder einmal nicht auf Sansa und will persönlich in den Süden zu Daenerys reisen, die ihn auf Drängen von Tyrion und Melisandre (Welcome back) „eingeladen“ hat. Nicht einmal die kleine Bären-Lady Lyanna Mormont kann sich diesmal durchsetzen: „We need the King in the North in the north“, fordert sie. Immerhin übergibt Jon die Geschäfte an Sansa – vielleicht erlebt sie dann ja selbst endlich, dass Regieren gar nicht so leicht ist. Und dass sie Jon vertrauen sollte.

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Jon Snow im Schnee(c) HBO

Sie von Littlefinger fernzuhalten wird eher schwierig. Aber immerhin tut Jon etwas, dass ich mir als Zuseherin schon länger wünsche: er würgt den intriganten Schattenschleicher. Zumindest kurz. „Touch my sister, and I’ll kill you myself“, warnt Jon. Dieser Beschützerinstinkt ist unerwartet stark. Hören wird Littlefinger auf ihn wohl kaum.
„What happened to you, Arya?“

Die Dynamik in Winterfell dürfte sich ohnehin bald ändern. Ich glaube, Bran sollte bald eintreffen (er wird ja nicht ewig an der Wall bleiben) und auch Arya ist auf dem Weg nach Hause. Ihre Szenen waren die gefühlvollsten der Folge, finde ich. Erst die Begegnung mit ihrem alten Freund Hot Pie, der sie fragt: „What happened to you?“ und ihr von der Rückeroberung ihrer Heimatburg erzählt. Dann die Begegnung mit ihrem Direwolf Nymeria. „That’s not you“, sagt sie am Ende, als die Wölfin samt ihres Rudels ihr den Rücken kehrt.

Meint Arya sich selbst? Und was ist sie nicht? Nur eine Überlebende? Eine Mörderin? Verwildert wie Nymeria, ohne Chance auf eine Rückkehr in die „normale Welt“? Sie entscheidet sich immerhin für ihre Familie und gegen ihre Rachepläne, oder?

Ein gemeiner Schnitt

Der Schnitt auf die Szene mit Arya und Hot Pie ist einer der gemeinsten in „Game of Thrones“: schon in Folge eins wurde bei Samwell zwischen Bettpfannen und Eintopf fleißig hin- und hergeschnitten. Diesmal nähert sich Sams Skalpell blutiger, wunder Haut – und dann sieht man Besteck in Essen tauchen. Igitt.

Die Wunden gehören zu Jorah Mormont, den Sam zu heilen versucht – heimlich und gegen den Willen des Grandmaesters. Warum er das tut? Aus Respekt vor seinem alten Chef bei der Night’s Watch Jeor Mormont, genannt Old Bear. Es dürfte Sam außerdem nicht schaden, wenn ihm ein Vertrauter der Drachenmutter sein Leben verdankt.

Zu guter Letzt: nach einigen sexlosen Folgen gibt es diesmal eine Liebesszene – zwischen der cleveren Übersetzerin Missandei und dem Eunuchen Grey Worm. Sie meinen, die können keinen Sex haben? Ein bisschen Fantasie, bitte! Was anderes würde nur Bill Clinton behaupten.

Zitate der Woche:

  • Missandei übersetzt die Prophezeiung, die viel über den Ausgang von „Game of Thrones“ verraten könnte, korrekt: „That noun has no gender in high Valyrian, so the proper translation for that prophecy would be ‚the prince or princess who was promised will bring the dawn.“ Tyrion: „Doesn’t really roll off the tongue, does it?“ Daenerys: „No, but I like it better.“
  • Tyrion zu Ellaria Sand: „We’re not poisoning little girls here“
  • Tyrion: „I like Jon Snow, I trusted him. I’m an excellent judge of character.“
  • Varys: „Incompetence should not be rewarded with blind loyalty.“

Auffälliges:

  • Melisandre und die Prophezeiung!!!
  • Der Grandmaester meint, Jorah hätte sich den Arm gleich amputieren (lassen) sollen – ich habe mich auch immer gefragt, wieso er das nicht gemacht hat.
  • Cersei hat also eine Waffe gegen Daenerys‘ Drachen.
  • Der Titel der Folge bezieht sich natürlich auf Daenerys, die „Sturmgeborene“, weil sie während eines schweren Sturms auf Dragonstone geboren wurde …