Ein Leben ohne den Brexit

(c) Carolina Frank

Ich weiß, irgendwann wird es doch zum Brexit kommen! Und dann werden die Nachrichten traurig und leer sein.

Heute hätte Großbritannien also aus der EU austreten sollen.* Ich fürchte mich schon vor dem Moment, wo sie einmal ernst machen. Erstens sind mir die Briten inzwischen so sehr ans Herz gewachsen, wie das nur ein Problemkind kann. Und zweitens kann ich mir ein Leben ohne den Brexit nicht mehr vorstellen. Was anderen die Champions League oder „Germany’s Next Topmodel" ist, sind mir die News über die Abstimmungsergebnisse im britischen Unterhaus.

Wenn die „Division Bell" erklingt, packe ich das Chips­packerl, knalle mich aufs Sofa und warte gespannt, was Mr. Speaker verkündet. „The ayes to the right, the nays to the left!" Während ganz Europa auf die Members of Parliament schaut, schauen die Members of Parliament nach rechts oder links. Bisher ja mehrheitlich nach links. Ich bin dafür, dass man den Mr.-Speaker-Satz zum Spruch des Jahres kürt. Manche von uns erinnern sich vielleicht noch an den legendären Thatcher-Satz aus dem Jahr 1989: „We have become a grandmother."

Ich weiß, irgendwann wird es doch zum Brexit kommen! Und dann werden die Nachrichten traurig und leer sein. Wir werden aufwachen und im „Morgenjournal" wird nichts mehr vom Gerangel im britischen Unterhaus zu hören sein! Von keiner tapfer kämpfenden Premierministerin, von keinen renitenten MPs, von keiner widersprüchlichen Opposition, keinem genervten deutschen Außenminister! Stattdessen würden wir zuhören müssen, was bei uns in Österreich passiert und was unsere Politiker dazu sagen. Bitte, liebe Briten, das könnt ihr uns nicht antun! Ihr könnt uns doch nicht mit unseren eigenen Nachrichten allein lassen! So grausam könnt ihr doch nicht sein! Bitte, bleibt! Macht weiter mit dem Brexit! 

*Letztstand bei Redaktionsschluss: Brexit im Mai oder Juni.