Rundfunkfinanzierung: Dänemarkt ist sicher kein Vorbild

Danmarks Radio, so heißt der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Dänemark.
Danmarks Radio, so heißt der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Dänemark.DR

Gastkommentar Das neue dänische Finanzierungsmodell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nicht nachahmenswert. Die Kürzungen bedeuten für Dänemark spürbar weniger Qualitätsjournalismus und öffentlich-rechtliche Inhalte.

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In der aktuellen österreichischen Debatte um die Zukunft der ORF-Finanzierung wird von den Befürwortern einer Budgetfinanzierung oft auf Dänemark als Vorbild verwiesen. Dort hat die konservative Regierung vor rund einem Jahr die Umstellung auf eine Finanzierung aus dem Budget verbunden mit einer 20-prozentigen Budgetkürzung beschlossen. Und die Auswirkungen auf Programmangebot und Qualität sind jetzt schon deutlich spürbar. Verlierer sind letztendlich die TV- und Radio-Konsumenten.

Der aktuelle Sparplan für den Dänischen Rundfunk (Danmarks Radio, DR) macht freilich nur 12 der insgesamt vorgesehenen 20-prozentigen Kürzungen aus und umfasst drei Jahre. Insgesamt müssen die Einsparungen in fünf Jahren erreicht werden –  in zweieinhalb Jahren muss also ein neues Sparpaket fertig sein, bei dem weitere 8 Prozent gekürzt werden.

Deutlich wird jetzt schon: Die Kürzungen bedeuten für Dänemark spürbar weniger Qualitätsjournalismus und öffentlich-rechtliche Inhalte. Statt sechs öffentlich-rechtliche Fernsehsender gibt es nur mehr drei Kanäle. Ein Kinder-Kanal, ein Fernsehsender für Jugendliche und ein Fernsehsender mit kulturellem Inhalt, unter anderem Geschichte, Kunst und Mode, konnten erhalten werden.

Ebenso wurden acht Radiokanälen auf fünf zusammengestrichen, Sender mit Schwerpunkt auf Jazz, alternativem Rock und Pop wurden geschlossen – zu zwei dieser Kanäle gibt es auch keine kommerziellen Alternativen. Auch für Radio-Konsumenten sind die Kürzungen also spürbar. Dazu kommen die Einschnitte in den noch vorhandenen Angeboten: Allein in der News-Abteilung sind 90 Mitarbeiter abgebaut worden, ebenso wurden zahlreiche Nachrichten- und Diskussionsprogramme geschlossen. Qualitätsjournalismus wird also zurückgefahren.

400 Stellen abgebaut

Und das gilt für alle öffentlich-rechtlichen Inhalte: Das Zeitfenster für gutes öffentliches Fernsehen im Hauptabendprogramm wurde verkürzt und wird in Zukunft nur noch eine Stunde vor den Abendnachrichten umfassen. Auch die Sportberichterstellung wurde reduziert. Und schließlich wird der öffentliche Rundfunk in Dänemark auch auf Social Media eingeschränkt: So dürfen keine langen Nachrichtenartikel mehr im Internet veröffentlicht werden in der Erwartung, dass das private Anbieter stärkt. Freilich: Nichts deutet darauf hin, dass die privaten Medien profitieren konnten. Übrig bleibt nur, dass die Dänen in Zukunft weniger informiert sein werden. 

Der finanzielle Einschnitt hat natürlich Auswirkungen auf die Mitarbeiter: In einer ersten Entlassungsrunde mussten 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen. Stellen Sie sich vor, 400 Angestellte würden in einem großen Krankenhaus entlassen? Man wird kaum behaupten können, dass das zu besserer Qualität führt. Und das gilt auch für die öffentlich-rechtlichen Medien.

Die Umstellung und Reduktion der Finanzierung geht jedenfalls am Publikum nicht spurlos vorbei: Sie bedeutet weniger Information und weniger journalistische Qualität. Nachahmenswert ist das jedenfalls nicht. Ich bezweifle also, dass es eine gute Idee ist, unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Journalismus und damit einen wichtigen Grundpfeiler unserer Demokratie zu schwächen. Wenn man das als Politiker trotzdem durchziehen will, dann sollte man zumindest so ehrlich sein und die Konsequenzen mitbenennen.

Rasmus Mark Pedersen ist Journalist und Vorstandsmitglied des Dänischen Journalistenverbandes.

Rasmus Mark Pedersen.Beigestellt