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Dichand junior: "Ich streichle auch lieber den Hund daheim"

Das Jubiläums-Magazin der "Krone", das am Donnerstag, den 11. April erschienen ist.
Das Jubiläums-Magazin der "Krone", das am Donnerstag, den 11. April erschienen ist.Wallner
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Die „Krone“ ist 60. Sie begeht ihren runden Geburtstag mit einem Jubiläumsmagazin, Gratulationen vom Bundespräsidenten und Kanzler abwärts und einem ausführlichen Interview mit Christoph Dichand.

Ungewöhnliche Einblicke in ihr Familienalbum gewährt die „Kronen Zeitung“ ausnahmsweise zu ihrem runden Geburtstag, dem ersten großen Jubiläum ohne Zeitungsgründer Hans Dichand (1921-1910). Auf Seite 8 der Beilage sehen wir Vater Hans mit Sohn Christoph im Volksschulalter und mit überraschend krausem Haupthaar. Es ist im Herzstück der 104 Seiten dicken Jubiläumsbeilage zum 60. Geburtstag am 11. April zu finden, dem Interview mit Christoph Dichand. Und ungewohnt ist auch dieses lange Gespräch, das „Krone"-Interviewerin Conny Bischofberger mit ihrem Chef geführt hat. Erstens gibt Dichand so gut wie keine Interviews und zweitens nicht so persönliche. Hier verrät er nun, was er als Kind werden wollte (Architekt), wie sein Hund heißt (Mister Cupcake) und welches Wesen er im nächsten Leben sein möchte (Albatros), aber auch, dass ihm die Wahrnehmung oder Lästereien der Branche zu seiner Person nicht verborgen geblieben sind. Er weiß, dass man ihm nach dem Tod seines Vaters „nicht sehr viel zugetraut“ hatte und betont, dass er sich „das Vertrauen der Mitarbeiter erst erarbeiten“ musste. Mit der Macht und mit Hunden hält es Christoph Dichand übrigens wie sein Vater: „Ich bin auch lieber daheim und streichle den Hund", sagt er in Anlehnung an das bekannte Zitat seines Vaters.

Die "Krone" öffnet das Familienalbum der Dichands und zeigt Schnappschüsse von Vater Hans mit Sohn Christoph.Screenshot - Wallner

Dass er „mangelnde Streitlust“ als seine größte Schwäche benennt, ist fast lustig, wenn man die vielen Schiedsgerichtsverfahren und den aktuellen Zwist mit dem neuen Minderheitseigentümer René Benko bedenkt. Der Tiroler Investor wird in dem Heft zwar erwähnt, auf dessen Friedensangebot an die Dichands in der „Presse am Sonntag“ geht Dichand aber nicht ein, was vor allem der Vorproduktion des Hefts geschuldet sein dürfte (weshalb die „Krone“ auch schon einige Passagen vorab veröffentlicht hatte). Im Gegenteil, er wiederholt erneut, wieso Benko als Eigentümer der Zeitung die Unabhängigkeit gefährde: „Weil Unabhängigkeit ein Wert ist, den man nicht wie Kaufhäuser oder das Chrysler Building einfach erwerben kann.“

Dieses Jubel-Magazin mit den Schlagworten „Mut. Haltung. Unabhängigkeit. Krone“ auf dem Titel hat jedenfalls eine klare Botschaft, die da lautet: Rechnet noch lange mit uns! Gemeint ist damit nicht nur die „Krone", sondern eben auch die Hälfteigentümerfamilie Dichand. Das Familienerbe wird diesmal besonders stark hervorgehoben, und Dichand sagt deshalb auch, dass ein Verkauf des Blattes für die Familie "natürlich nicht" in Frage käme: "Als Familienunternehmen fühlen wir uns Tausenden anderen Familienunternehmen und unserer starken 'Krone'-Familie stark verbunden. Jederzeit würden wir aber Anteile zukaufen." Über seine und die "Krone"-Aktivitäten der Familie entscheide die Familie "gemeinsam". Je 12,5 Prozent an der "Krone" halten Hans Dichands Witwe Helga sowie seine Kinder Michael, Johanna und Christoph.

Politiker haben „sehr viel Zutrauen in ihren Einfluss"

Auch über die Macht der „Krone“ wird gesprochen, dass es sie früher gab, wird vorausgesetzt, aber wie ist das heute, Herr Dichand: "Da müsste man definieren, wie stark die Macht war. Der Umstand, dass viele Politiker und auch mächtige Institutionen immer noch die Nähe der 'Krone' suchen, zeigt, dass sie nicht abgenommen hat. Man hat noch immer sehr viel Zutrauen in ihren Einfluss."

Ansonsten begeht die „Krone“ ihren Geburtstag klassisch und erwartbar. Mit vielen Rückblicken auf die Geschichte Österreichs und der Zeitung, einem Gruppenfoto eines Teils der insgesamt 1500 Mitarbeiter, Kolumnen vom Staberl und Jeannée, Gratulationen von Prominenten, Bundespräsident Alexander Van der Bellen ziert das Titelblatt der normalen Donnerstagausgabe, er hält mit Christoph Dichand das Jubiläumsmagazin in die Kamera. Auch Kanzler Sebastian Kurz gratuliert im redaktionellen Teil auf Seite 4: "Unbeugsam und unabhängig in der Berichterstattung sowie einzig den Lesern gegenüber verpflichtet". Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache schreibt eine Grußnote, allerdings anders als Kurz nicht im redaktionellen Teil, sondern in einem Inserat auf Seite 47.

Strache schreibt da: „Unsere ,Krone': Flagschiff und ein Stück Heimat“, die Zeitung sei „immer ein Stück Heimat geblieben, das man vermisst, wenn man im Ausland ist". Grußworte kommen auch von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Kardinal Christoph Schönborn (der ja auch Kolumnist der Zeitung ist). Es werden Leser porträtiert und Kolumnen vieler Mitarbeiter ins Blatt gehievt, die verklärte Texte über die schönen Seite des „Zeitung machens“ und ihre Erinnerungen an den Geruch von Papier und Druckerschwärze schreiben. Claus Pandi, der neue Chefredakteur der Salzburger Krone verfasst eine Ode an seinen neuen Wohnort: „Salzburg ist Weltstadt und ein Dorf (mit Flughafen). Salzburg ist ländliche Traumkulisse. Salzburg ist großes Theater. Salzburg ist ein Mythos".

(awa)