Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer

"Game of Thrones": Staffel sieben, Folge vier: In jedem Helden steckt ein Bösewicht 

„The Spoils of War“ zeigt die Figuren von ihrer zärtlichen und ihrer brutalen Seite. Vor allem die Tochter des „Mad King“.

Spoiler-Warnung: In diesem Episodenblog wird die Handlung der jeweils beschriebenen "Game of Thrones"-Folge verraten.

Staffel sieben, Folge vier. Was „Game of Thrones“ von vielen anderen Serien abhebt, sind seine Figuren. Sie haben Schwächen und Fehler, sie menscheln. In jedem Helden steckt auch ein Bösewicht, oft ist das bloß eine Frage der Perspektive. Das zeigt sich sehr gut in „The Spoils of War“, zu Deutsch „Kriegsbeute“: Zu Beginn besuchen die eigentlich „Guten“, Daenerys und Jon, eine Höhle und sehen sich tausende Jahre alte Malereien an. Das ist richtig romantisch. Zum ersten Mal berührt der König des Nordens die Drachenkönigin, indem er sie am Ellbogen sanft herumführt. Sie schauen sich die Bilder an, die die Children of the Forest hier hinterlassen haben und die vom Krieg gegen die White Walker erzählen. Das ist sehr praktisch für Jon, dass er diese Zeichnungen gefunden hat. Man wird den Verdacht nicht los, dass er ein bisschen nachgeholfen hat …

Man merkt deutlich: die beiden nähern sich an. Sie lässt sich sogar von Jon beraten – und scheint auch auf ihn zu hören. Wenngleich er das vielleicht nicht ganz so gemeint hat, wie sie das aufgefasst hat. Ganz deutlich wird es im Gespräch zwischen Jon und Davos: Sie habe ein gutes Herz, meint Jon und Davos erwidert: „A good heart? I've noticed you staring at her 'good heart'.“ Nur dieses ständige „Knie nieder“ von Daenerys nervt.

Wie lebende Fackeln

Ja, die Tochter des „Mad King“ hat ein gutes Herz – und sie führt Krieg, um den Eisernen Thron zu erobern. Kurz nach dem Höhlenausflug lässt Daenerys ihre Drachen Feuerschneisen in die feindlichen Truppen der Lannisters speien. Wie lebende Fackeln laufen die Soldaten umher und versuchen, sich in einen Fluss zu retten. Ein grausiges Bild.

Aus Sicht von Bronn und Jaime, der die Truppen anführt, ist Daenerys ganz klar der Feind. Man kann es Jaime nicht verdenken, dass er versucht, sie umzubringen. Schon einmal hat er einen König getötet. Danach herrschte zumindest gut 15 Jahre lang Frieden auf Westeros. Dass er sich dabei selbst opfern will, wirft allerdings Fragen auf. Gibt es für ihn nichts mehr, für das es sich zu Leben lohnt? Bronn rettet ihm das Leben, wie einst seinem kleinen Bruder Tyrion. Er wird es sich vergüten lassen. Die Mittel dazu haben die Lannisters, dafür hat Cersei gesorgt. Das Gold aus Highgarden ist inzwischen in King's Landing eingelangt – und die Königin will damit eine Sölnderarmee kaufen, die beste, die es gibt: die Golden Company. Weiß sie nicht, dass es mit der Loyalität von Söldnern nicht allzu weit her ist?

„Danke“ ist ein bisschen wenig

In Winterfell sieht Bran, wie „Littlefinger“ manipuliert. „Chaos is a ladder“, zitiert er ihn. Das heißt aber nicht, dass er eingreifen wird. Er sei nicht mehr Bran, lässt er Meera Reed wissen, die ihn durch die Eislandschaft nördlich der Wall geschleppt hat. Deren Bruder für ihn gestorben ist. Und die Bran jetzt mit einem „Danke“ abspeist. Ziemlich gefühllos.

Ähnlich kalt ist seine kleine Schwester Arya inzwischen, die nun auch endlich zurück nach Witnerfell gekommen ist. Ihr verrücktes Lachen, als sie Sansa von ihrer Liste an Namen erzählt, die sie abarbeiten (sprich ermorden) muss, lässt nicht nur ihre Schwester erschaudern. Trotzdem: die drei Geschwister Sansa, Bran und Arya sind wieder vereint. Gut so.

Auffälliges:

  • Missandei ist mit dem Konzept „Ehe“ nicht vertraut. Das wirkt ein wenig naiv für eine Frau, die 12 Sprachen spricht und um die halbe Welt gereist ist.

Zitate der Woche:

  • Daenerys Targaryen: "I'm at war. I'm losing, What do you think I should do?"
  • Jon Snow: "I never thought that dragons would exist again. No one did. The people who follow you know that you made something impossible happen. Maybe that helps them believe that you can make other impossible things happen. Build a world that's different from the shit one they've always known. But if you use them to melt castles and burn cities, you're not different. You're just more of the same."

 

>> Mehr unter DiePresse.com/gameofthrones