Amanshausers Album: Fussabdruck

Beim Wandern den Müll aufsammeln und ordnungsgemäß entsorgen: Mittlerweile hat sich das in Skandinavien und in den Alpen als eine Art Sport entwickelt.
Beim Wandern den Müll aufsammeln und ordnungsgemäß entsorgen: Mittlerweile hat sich das in Skandinavien und in den Alpen als eine Art Sport entwickelt.(c) FABRY Clemens

92 - Mit meiner Urlaubsentscheidung treffe ich auch eine über die Verteilung von Plastik und Geld.

Ich bin privater Müllsammler. Ich gehöre zu denen, die Plastikzeug aus der Natur mitnehmen. Nicht, dass ich mir einbilde, einen Riesenbeitrag für die Umwelt zu leisten. Ich kann einfach nicht anders. Müll stört mich, aufräumen macht mir Spaß. Jene, die Plastikverpackungen oder Dosen hinterlassen, sind ja keine Bestien, sondern Leute mit falschen Prioritäten, die meist Alkohol oder widerwärtige industrielle Zuckerprodukte konsumiert haben. Es würde zu den Aufgaben der Erziehungsberechtigten, der Schulen, auch des Staates gehören, das Image solcher Produkte zu erschüttern.

Weltweit engagieren sich Menschen, sofern ihre Lebensgrundlagen es erlauben, für Ideale. Die einen sammeln auf einer abseitigen Vulkaninsel Daten über einen weithin unerforschten Vogel namens Halsband-Sturmvogel, der nur durch Dämmerung und Dunkelheit fliegt und dessen Existenz hoch gefährdet ist – ­wäh­rend die anderen ihre Kraft dafür verwenden, in einem Industrieland das Autobahn-Tempolimit nach oben zu setzen. Jedem das seine, jedem sein Engagement. Zwar misstraue ich der Abwälzung aufs Individuelle, doch der Einzelne hat einen gewissen Handlungsspielraum. Auch ich versuche gelegentlich, meinen schrecklichen CO2-Fußabdruck mit Kompensationsspenden an NGOs auszugleichen, die solche Modelle anbieten. Mir steht zudem frei, politische und gesellschaftliche Bewegungen zu unterstützen, die nicht das ressourcenfressende goldene Kalb Wirtschaftswachstum nähren, sondern nachhaltigere Agenden verfolgen. Wichtiger als das Miniengagement meiner kleinen Aufräumaktion wäre die Eindämmung von Einwegprodukten durch internationale Gesetze.

Die Urlaubsbuchung liegt in unserem Er- messen, darüber machen sich Menschen zunehmend Gedanken. Zum Glück entscheidet jeder selbst, wohin er mit welchem Verkehrsmittel reist, legt fest, ob er das Geld einer Frühstückspension, einem multinationalen Hotelkonzern, einem Golfkurs oder einem Minigolfplatz überlässt. Fest steht, Reisen, die nicht mit der Faust auf den Planeten eindreschen, werden populärer. Durchs Sonnensystem fliegt kein zweiter Planet vom Typus Erde.

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