Stimme ist „Seismograf der Psyche“

Ein überzeugender Vortrag basiert auch auf dem richtigen Sprachrhythmus und damit auf der richtigen Atmung.
Ein überzeugender Vortrag basiert auch auf dem richtigen Sprachrhythmus und damit auf der richtigen Atmung.(c) Getty Images/iStockphoto (ViktorCap)

Am 16. April ist der Tag der Stimme. Nicht jedem ist ein angenehmes Sprechorgan in die Wiege gelegt. Mit der richtigen Atemtechnik kann „schön sprechen“ jedoch erlernt werden.

Singt ein Sänger eine Phrase, weiß er genau, wie viel Atem er brauchen wird. Nicht anders sollte es sich beim Sprechen verhalten.“ David Corcoran weiß als ehemaliger Opernsänger um die Wichtigkeit der Atemtechnik. Als Trainer für Persönlichkeitsentwicklung schult er nun Menschen, die lang laut sprechen müssen. In Workshops, Einzelunterricht oder Inhouse-Trainings vermittelt er Kommunikationstechniken, wirkungsvolle Körpersprache und richtiges Atmen. Was trivial klingt, ist harte Arbeit und nur den wenigsten von Natur aus gegeben, erklärt Corcoran: „Oft unterschätzen Menschen ihre eigene Stimme oder setzen sie falsch ein. Wenn man ihnen beibringt, richtig zu stehen und zu atmen, ist schon viel gewonnen.“ Den Atem tief zu halten, die Knie nicht durchzustrecken oder durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen, seien keineswegs Banalitäten, sondern Methoden, die es besonders für Stress- und Prüfungssituationen einzuüben gelte, sagt Corcoran.

In „Breath Management“ schult Corcoran jene Technik, die Sänger und Schauspieler als Diaphragma-Atmung kennen. „Wir sollten immer tief atmen, viele atmen zu hoch.“ Die Folgen: Das volle Atempotenzial wird nicht ausgeschöpft, hochgezogene Schultern führen zu Verspannungen und schließlich zu einer schlechten Präsentation. Viele Klienten, oft aus dem höheren Management, hätten Lampenfieber und wendeten sich mit der Angst, zu wenig Luft zu haben, an ihn, erzählt Corcoran. Andere Probleme seien fehlende Energie, eine im Stress höher oder zittrig werdende Stimme, unkontrollierbar scheinende Handbewegungen oder schnapphafte Atmung.

„Atem ist Leben“, sagt Tatjana Lackner. Die professionelle Sprecherin studierte wie Corcoran zunächst Gesang. An der von ihr gegründeten Schule des Sprechens lehrt sie gemeinsam mit 46 Trainern Kommunikationsstrategien und Atemtechniken. Das Business-Rhetorik-Diplom richtet sich an jene, die mit Schlagfertigkeit und Storytelling verhandeln möchten. Führungskräfte erlernen in Rhetorik-Spin-Trainings moderne Rhetorikstrategien.

 

Stress ist hörbar

„Was im künstlerischen Bereich selbstverständlich ist, wird im Businessbereich oft vergessen. Nämlich, dass Menschen mit Stimme und dem richtigen Atemeinsatz begeistert und überzeugt werden müssen. Die Stimme ist ein Seismograf für die Psyche“, erläutert Lackner. „Wenn wir geweint haben, klingen wir anders als wenn wir glücklich sind. Auch Stress ist hörbar.“

Manche Managern fehle es an Energie, auch hier gebe es Atemtechniken, die helfen können, Energie fließen zu lassen, erklärt Lackner. Das sei keine „Raketenwissenschaft“, sondern mit der richtigen Sprechtechnik und Stimmdynamik rasch hinzubekommen. Ein Problem ortet Lackner in der Tatsache, dass Teilnehmer oft Angst davor hätten, in Meetings Emotionen preiszugeben, die sich über die Stimme transportieren. Davon sei vor allem das mittlere Management betroffen, Bereichs- und Gruppenleiter, die sich daher in objektive, vermeintlich wissenschaftliche, aber langweilig vorgetragene Monologe flüchteten.

„Sprechen ist nichts anderes als längeres Ausatmen”, sagt Edith Schmid-Tatzreiter. Die ausgebildete Logopädin bietet in ihrem Institut Schöner Sprechen Trainings, Coachings und Weiterbildungen für jene an, die an ihrer Stimme arbeiten möchten. „Beim richtigen Sprechen gestaltet der Atem den Text, und Atempausen werden dort gesetzt, wo auch die Interpunktion wäre. Ungeübte Sprecher sprechen bis zum Ende der Atemkapazität und atmen unkontrolliert und störend dazwischen. Einen guten reflektorischen Atem sollte man aber nicht hören.“ Ein eigenes Business-Training mit den Inhalten Haltung oder dialektfreies Sprechen widmet sich dem Einsatz im Berufsalltag. Mit Ton- und Videoaufzeichnungen werden Schwächen analysiert, dann werden gemeinsam Vorträge oder Texte aus dem Berufsumfeld gesprochen.

Eines der häufigsten Probleme, mit denen Teilnehmer an Schmid-Tatzreiter herantreten: Zu hastiges Sprechen. „Schnelles Sprechtempo liegt oft daran, dass das Gesprochene nicht strukturiert ist oder falsch geatmet wird.” Wer richtig atmet, spricht wesentlich leichter und befreiter, die Stimme klingt ruhig und professionell statt hoch, gepresst und gezwungen, und die Belastbarkeit der Stimme wird gestärkt. Der Zuhörer profitiert, da er das Gesagte deutlich und klar versteht.“

INFORMATION

Trainings und Workshops (Auswahl) • Resonant Personal Development

www.resonantpd.com

• MHC Business Language Training www.mhc-training.com

• Sprech Turbo, www.sprechturbo.at

• FH Wien der WKW, www.fh-wien.ac.at

• Die Schule des Sprechens www.sprechen.com

• Schöner Sprechen www.schoenersprechen.at