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Jan Böhmermann ist doch kein „Hurenkind“!

Ein deutscher Preisträger, der via Videobotschaft als Kurier der Korrektheit Österreicher beschimpft.

Schon wieder dieser Jan Böhmermann! Keiner spaltet die Vergeber der Gunstgewerbepreise im „Gegengift“-Kombinat so tief wie dieser Bremer TV-Clown. Die einen hassen ihn, weil er bei seinen Auftritten billige Anzüge (ohne Stecktuch!) achtlos wie ein Firmling trägt. Die anderen verehren ihn für seine profunde Allgemeinbildung. Der Mann sei, behaupten sie, nicht nur politisch belesen bis weit hinten in der Türkei. Nein, er kenne sich selbst in der Kleintierzucht mit geächteten Sexpraktiken und im österreichischen Brauchtum aus.

Eben war es wieder so weit: Böhmermann wurde von der Tageszeitung „Kurier“ schon wieder mit einer Art Romy geehrt, quasi im Vorprogramm, zwei Tage vor der Gala. Er bedankte sich mit einer launigen „Rede an die Nation“, vor wehender EU-Fahne, per Videozuschaltung. Seither streiten wir in unserer unabhängigen Jury über jedes Wort von ihm.

Erstaunlicherweise gab es zu seiner Bewertung lokaler Bundespolitik raschen Konsens. Er meint also, dass „der durchgeknallte österreichische Kinderkanzler“ Kurz ein „schweigender Fascho-Helfer mit großen Ohren“ sei? Dass ganz Europa Innenminister Kickl für einen „unseriösen Heipopei“ halte? Dass Kulturminister Blümel von den geladenen Gästen heimlich verachtet werde? Das ist schwer zu beweisen und interessiert uns nicht. Wahrscheinlich erledigt sich die Sache in unseren digital überwachten Zeiten von selbst. Blümel soll den unbotmäßigen „Kurier“ zur Herausgabe der Handynummer des Akademie-Romy-Preisträgers zwingen. Dann kann der Minister ihm ein SMS schicken, in dem er behauptet, dass dessen parteiische Analyse Blödsinn sei.

Uns aber hier in Erdberg interessiert nur die Begrüßungsformel der feilen Botschaft: „Sehr geehrte, dumme Hurenkinder!“ Und „Hallo, Ostmark!“ Nun fragen wir uns, wen Böhmermann gemeint haben könnte. Das Kaliningrader Bier Ostmark? Den einstigen Gau in Brandenburg? Oder den SC Ostmark? (So hieß die Wiener Austria ganz kurz in längst verdrängter Zeit, als ein Berliner Identitärer namens Hitler Österreich zum ersten Opfer seines deutschen Größenwahns machte.) Man weiß es nicht.

Beim „Hurenkind“ hingegen sind wir uns sicher: Es bezieht sich auf die Preisverleiher. In der goldenen Zeit des Druckereigewerbes wurde so die letzte Zeile eines Absatzes bezeichnet, falls sie die erste der neuen Seite oder Spalte war – schwerer Fehler! Böhmermann ist jedenfalls kein Hurenkind. Für so prominent halten wir ihn nicht. Höchstens für einen Schusterjungen. Das ist aber eine andere Geschichte.

E-Mails an: kultur@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2019)