Fußball: Sturm in der Gruabn

SK Sturm gegen Kapfenberg: ein Bild aus der Gruabn, April 1963.
SK Sturm gegen Kapfenberg: ein Bild aus der Gruabn, April 1963.(C) Friedrich Fischer/SK Sturm
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Ich habe Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit erlebt, Höhe- und Tiefpunkte, Kunstvolles und Brutales. Ich habe Matches gesehen, die wie das Leben waren, und begriffen, dass es ein Spiel ist. Seit fast 70 Jahren bin ich Zuseher bei den Heimspielen von Sturm Graz. Zum 100-Jahr-Jubiläum der Gruabn: eine Liebeserklärung.

Die Gruabn, der langjährige Fußballplatz des SK Sturm Graz, die ich im Alter von acht Jahren 1950 zum ersten Mal betrat, war für mich auch ein Ort der Begegnung mit den Erwachsenen. Ich lernte ihre Welt in allen Facetten kennen, ich sah sie jubelnd, wütend, gelangweilt, enttäuscht, aggressiv, hilfsbereit, freundlich, schroff, feindlich, lachend, weinend, resigniert, brüllend, singend, und ich erlebte sie als Sieger und Verlierer. Es war eine Zeit ohne Fernsehen, Computer und Smartphones, eine Zeit, in der es weniger Autos gab und die Gesellschaft patriarchalisch geordnet war.

Bevor ich meinen Vater und den Großvater begleiten durfte, hatte mein Großvater – ein Glasbläser, Glasmacher und seit je begeisterter Gruabn-Besucher – meinen Brüdern und mir immer wieder vom geheimnisvollen Sturmplatz im Bezirk Jakomini erzählt, von Spielen und Spielern . . . Von Helmut Theuerweckl, der nur einen Arm besaß und beim Laufen mit dem Stummel rotierte, „wie die Schiffsschraube eines Motorbootes“, oder von Albert Kristen, einem legendären Tormann, der angeblich ein Match im alkoholisierten Zustand gespielt und mit seinen Fehlern Stoff für Legenden geliefert hatte, die immer größer und fantastischer wurden und sich zuletzt mit erfundenen Heldentaten paarten, bis er in meiner Vorstellung zum Inbegriff für die Unvorhersehbarkeit im Fußballspiel geworden war.

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