Die Renditen für griechische Bonds mit zwei Jahren Restlaufzeit steigen auf mehr als 15 Prozent. Für Griechenland wird eine Umschuldung diskutiert.
Die Ungewissheit über die Zukunft von Griechenlands Finanzen treibt die Renditen für griechische Bonds in neue Höhen. Bonds mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren waren mit einer Rendite von 15,007 Prozent zu haben. Griechenland kann sich zu diesen Konditionen nicht mehr am Kapitalmarkt refinanzieren und ist existenziell auf die Hilfen von EU und IWF angewiesen. Außerdem wird für Griechenland eine Umschuldung diskutiert.
Die Lage verschärft sich zunehmend, weil Deutschland sich gegen Hilfen ohne weitere Sparzusagen sträubt. Zuvor waren Hilfen für Griechenland in der möglichen Gesamthöhe von 8,4 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Doch der Regierungspartner von der deutschen Bundeskanzlerin Merkel, die FDP, muss sich demnächst einer Landtagswahl stellen, bei der massive Verluste drohen und wehrt sich vehement gegen eine Zusage von Hilfen für Griechenland. Denn die Hilfen sind in der deutschen Bevölkerung äußerst umstritten.
Forderung nach Umschuldung
Auch die Forderung von deutschen Politikern nach einer Umschuldung sorgt für Panik bei den Investoren. Dadurch würden nämlich auch Banken und Spekulanten zur Kasse gebeten, die Umschuldung käme einer Bankrotterklärung Griechenlands gleich. "Wir haben die Bundesregierung gebeten, zu prüfen, inwieweit der private Sektor beteiligt werden kann. Es geht nicht nur um die Banken, sondern auch um Spekulanten", wird der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder von der Financial Times Deutschland (FTD) zitiert.
Der "Hair-Cut", wie die Umschuldung auch heißt, wäre außerdem ein Problem für die anderen europäischen Wackelkandiaten wie Portugal oder Italien. Denn wenn Griechenland nicht mehr (alles) zahlt, würden wohl auch diese Länder mit noch höheren Risikoaufschlägen belegt werden.
Für weitere Unsicherheit bei den Investoren sorgt auch eine neue Forderung aus Deutschland: "Wenn Griechenland Kredite aus Deutschland und den Euro-Ländern bekommt, dann müssen diese vorrangig vor den bestehenden Schulden zurückgezahlt werden", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zur FTD.
Portugiesische Bonds unter Druck
Inzwischen geraten auch portugiesische Bonds unter Druck. Die Rendite von 10-jährigen Anleihen stieg um 39 Basispunkte auf 5,581 Prozent. Portugal ist nicht nur das ärmste der EU-Länder, es hat auch wesentlich mehr Schulden als Griechenland, zudem wächst die Wirtschaft langsamer.
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Portugals am Dienstag heruntergestuft. Hintergrund seien wachsende Zweifel an der Fähigkeit des Landes, mit seiner enormen Schuldenlast fertig zu werden, teilte S&P mit. Der Ausblick sei negativ. Auch die schwachen Konjunkturaussichten hätten zu der Entscheidung beigetragen, Portugals Langzeit-Rating um zwei Stufen auf "A-" von bisher "A+" zu senken. Damit ist das Euro-Land noch vier Stufen vom spekulativen "Ramsch-Status" entfernt.
(mad)