Kunstmesse: Virgil und Zirbenschrank

Die Galerie Kovacek hat in die Salzburger Residenz das Gemälde „Schneerosen“ von Olga Wisinger-Florian mitgebracht.
Die Galerie Kovacek hat in die Salzburger Residenz das Gemälde „Schneerosen“ von Olga Wisinger-Florian mitgebracht.(c) Kovacek Spiegelgasse

Zum 44. Mal setzt die Art&Antique auf die Kaufkraft der Besucher der Osterfestspiele. Wichtig ist vor allem der Mix mit ländlicher Kunst.

Wenn die Kunstmesse Art& Antique zu ihrer alljährlichen Messe in die Salzburger Residenz lädt, dann weiß man, dass Ostern vor der Tür steht. So finden sich auch heuer vom 13. bis 22. April 40 Aussteller aus Österreich und Deutschland zur Leistungsschau ein. Seit Anbeginn nützt die Messe den Termin zu den Osterfestspielen, die internationales Publikum anlocken. Heuer hat die Messe drei Neuaussteller. Aus Wien sind das die Galerie Artziwna und Dr. Keil. Aus Tübingen gibt das Kunsthaus Kende heuer seine Premiere.

Fixstarter Walde. Neben der kaufkräftigen Festspielklientel spielt der richtige Mix eine wichtige Rolle für den Erfolg. Da wären zum Beispiel ländliche Motive, wie sie Alfons Walde malte. Der Kitzbühler Maler ist sehr beliebt und auf der Messe auf mehreren Ständen zu finden. Kunsthandel Freller hat von Walde heuer gleich zwei Werke auf dem Stand: „Häuser im Gebirge“ und den „Bergweiler“, beide um 1930 gemalt. Der vor allem für seine Wintermotive bekannte Maler ist quasi ein Fixstarter in Salzburg. Weniger bekannt hingegen sind seine Akte. Die Galerie bei der Albertina Zetter hat nun in Zusammenarbeit mit der Familie Walde erstmals eine umfangreiche Ausstellung seiner Aktdarstellungen zusammengestellt und zeigt diese im Geschäft in Wien. Nach Salzburg haben sie eine Auswahl mitgebracht. Preislich liegen diese Arbeiten bei 8500 Euro für Zeichnungen und gehen bis zu 125.000 Euro für die „Tänzerin“.

Stimmungsimpressionismus ist ebenfalls immer auf der Messe in Salzburg zu finden. Bei der Galerie Kovacek Spiegelgasse gibt es einen „Frühling in Hofgastein“ von Carl Moll für 135.000 Euro. Auch die berühmten Blumenbilder von Olga Wisinger-Florian, wie die „Schneerosen“ von 1885, passen gut in ein Landhaus. Direkten Bezug zu Salzburg gibt es am Stand von Kolhammer & Mahringer, die ein Gemälde des „Heiligen Virgil“, Schutzpatron und Gründer von Salzburg, von Berthold Löffler für 28.000 Euro anbieten. Die Messe in der Residenz bietet aber auch das richtige Umfeld für Bauernmöbel und bäuerliches Kunsthandwerk. So findet man auf der Messe gleich zwei Pinzgauer Zirbenschränke. Antiquitäten und Bildgalerie Anton Figl hat einen aus dem Kitzbühler Raum aus dem 18. Jahrhundert, einen zweiten gibt es am Stand von Kunst & Antiquitäten Wimberger. Für mehr Aufsehen wird bei letzterem allerdings die italienische Bar aus den 1950er-Jahren mit Lampen von Harvey Guzzini sorgen. Denn der Kunsthändler bietet nicht nur das Barmobiliar für 9900 Euro an, sondern mixt für Besucher auch Drinks. Übrigens wird Harvey Guzzini oft fälschlicherweise für einen real existierenden Lichtdesigner mit diesem Namen gehalten. Tatsächlich gehört die Bezeichnung zu einer Beleuchtungsfirma, die von sechs Guzzini-Brüdern gegründet wurde: Raimondo, Giovanni, Virgilio, Giuseppe, Adolfo und Giannunzio. Inspiriert wurden sie durch den Film „Harvey“ mit James Stewart von 1950.

Wiener Moderne. Keine österreichische Kunst- und Antiquitätenmesse kommt ohne Wiener Moderne aus. Zeichnungen von Gustav Klimt und Egon Schiele sind einer der Schwerpunkte der Kunsthändler Wienerroither & Kohlbacher (W&K). Nach Salzburg haben sie beispielsweise von Klimt die Zeichnung „Aufgestützt Liegende mit hochgerafftem Kleid“ mitgebracht, die sie für 110.000 Euro anbieten. Sie haben aber auch Arbeiten des Tiroler Künstlers Max Weiler auf ihrem Stand. Das großformatige Hauptwerk „Oktober“ hängt prominent in der Mitte des Standes. Weilers These, dass Natur und Spiritualität im Kern verwandt sind, gewinnt im Spätwerk besondere Überzeugungskraft.

Es gibt aber auch kleinere Arbeiten von ihm, darunter „Wie eine Landschaft, wie abgebrannt“ von 1963, für 70.000 Euro. In Salzburg hängt übrigens im Karl-Böhm-Saal des Festspielhauses das Gemälde „Wie eine Symphonie“ als Dauerleihgabe der Max Weiler Privatstiftung.
Doch zurück zu Klimt und der Wiener Moderne: Giese & Schweiger haben ebenfalls eine Zeichnung von Klimt im Angebot. „Stehende von vorne mit gerafftem, langem Gewand“ ist eine Studie für die „Tänzerin“ des Frieses im Palais Stoclet in Brüssel, dessen Architekt Josef Hoffmann war. Die Galerie bei der Albertina Zetter wiederum hat von Egon Schiele die Zeichnung „Sitzende junge Frau“ aus dem Jahr 1918 um 390.000 Euro anzubieten. Und Schütz Fine Art das Ölbild „Trauer und Hoffen“ von Koloman Moser. Apropos Moser: Das Wiener Museum für angewandte Kunst widmet dem Universalkünstler noch bis zum Ostermontag eine Ausstellung.

Susanne Bauer wiederum ist es gelungen, Arbeiten von sämtlichen Architekten der Wiener Werkstätte auf ihrem Stand anzubieten. Darunter einen hübschen Servierwagen von Adolf Loos um 4800 Euro, einen Handspiegel von Otto Wagner von 1902 für 16.000 Euro und sechs Stühle von Josef Hoffmann, die in einem Stück gearbeitet wurden und noch im Originalzustand sind, für 12.000 Euro. Eine wirkliche Rarität ist ein Glasperlenband von Dagobert Peche. Diese Bänder sind selten erhalten, weil die Glasperlen auf Seide gefädelt wurden, die leicht reißt. Der Preis dafür beträgt wohlfeile 3500 Euro. Bauer hat zudem einen großen Tafelaufsatz der Firma Bruckmann & Söhne, der museale Qualität hat und mit 12.500 Euro angeschrieben ist.

Gartenofen. Ein ungewöhnliches Stück sticht bei Lilly's Art ins Auge. Auf ihrem Stand steht ein monströser Gartenofen aus Chrom-Nickel-Stahl in Form einer drachenartigen Kreatur vom Bildhauer Oskar Höfinger. Er kostet 39.000 Euro.

In der Residenz findet man aber auch Kunst und Objekte der Antike. Von musealer Qualität ist bei Christoph Bacher ein römischer Marmorkopf eines jungen Satyrs nach hellenistischem Vorbild aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, den er für 80.000 Euro anbietet.
Wer noch für seine Liebste ein passendes Geschenk zum Osterfest sucht, könnte bei Pintar Schmuck und Silber vorbeischauen. Sie hat in ihrer Vitrine eine kleine Brosche in Form eines Hasen aus Gold mit zwei Saphiren, einem Rubin und Diamanten, von Kutchinsky aus dem London der 1970er-Jahre.