Heinrich Steinfests neuer Roman: Cheng ist wieder da

(c) Piper

Nach langer Pause lässt der Wiener Autor Heinrich Steinfest seinen einarmigen und schlaflosen Detektiv im Fall eines getöteten
Filmstars ermitteln.

Fast zehn Jahre sind vergangen, seit Heinrich Steinfest seinen einarmigen Detektiv Markus Cheng zuletzt auf Einsatz geschickt hat. Nun ist Cheng zurück, wenn auch ohne seinen (verstorbenen) Hund Lauscher. Auf Mallorca lernt er den Synchronsprecher Peter Polnitz kennen, der später in London verhaftet wird: Polnitz soll den bekannten Schauspieler Andrew Wake getötet haben – ausgerechnet jenen Star, dem Polnitz als dessen deutsche Synchronstimme seine eigene Bekanntheit verdankt.

Polnitz' Tochter beauftragt Cheng, die Unschuld ihres mittlerweile verurteilten Vaters zu beweisen. Kein leichtes Unterfangen, das Cheng bis in die hintersten Winkel Islands und in die eine oder andere unerwartete Lage bringt. Cheng muss sich mit subtilen Geheimagenten, noch subtilerer chinesischer Kampfkunst, weißen Tulpen und außerirdischen Schwammerln auseinandersetzen.

Das klingt so absurd, wie es sich liest. Die Handlung rast dabei, typisch Steinfest, alles andere als dahin. Vielmehr driftet der Wiener in seinen unverwechselbaren Stil ab, und es ist eine große Freude, sich beim Lesen von seinen Gedankensprüngen und dem vielen, feinen Humor überraschen zu lassen.

Zwischendurch verliert man dabei zwar den Protagonisten fast aus den Augen, aber wer einen klassisch erzählten Detektivroman sucht, ist mit Steinfests Cheng-Reihe ohnehin nicht richtig versorgt. Eine fast poetische Geschichte mit – hier wird es dann doch turbulent – leicht wahnwitzigem Finale. MPM

Heinrich Steinfest: „Der schlaflose Cheng“, Piper, 283 S., 16,50 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2019)