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Onlinemarkt

Laut aktueller Studie wächst das Onlinegeschäft mit Kunst zwar, aber weniger schnell als bisher. Zu den wichtigsten Hürden zählt immer noch die Angst vor Fälschungen.

Der Onlinekunsthandel wächst, aber langsamer. 2018 wurde Kunst im Wert von 4,6 Milliarden Dollar online verkauft. Damit ist der Markt um 9,8 Prozent gewachsen. Das geht aus dem vergangene Woche veröffentlichten Online Art Trade Report 2018 von Hiscox hervor. Die britische Versicherung verfasst einen eigenen Bericht zum Onlinekunsthandel. Was sich in den sechs Jahren Beobachtung gezeigt hat, ist eine kontinuierliche Verlangsamung der Wachstumsraten. 2015 wuchs der Markt noch um 24 Prozent. Trotzdem gehen die Autoren davon aus, dass der Markt die nächsten fünf Jahren jährlich im Schnitt um 15 Prozent zulegen wird. Gründe für das langsamere Wachstum ortet Hiscox in zu wenig Investitionen ins Onlinegeschäft. Während Auktionshäuser sehr früh auf die Digitalisierung reagiert haben und Onlineauktionen heute Standard sind, sieht es bei Galerien und Händlern anders aus. Selbst Big Player wie David Zwirner oder Gagosian haben erst 2017 respektive 2018 Onlineschauräume eingerichtet.

Frage des Vertrauens. Immer noch sei eine der größten Hürden, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. 62 Prozent der Befragten befürchten laut Studie, dass man ihnen bei einem Onlinekauf eine Fälschung unterjubeln könnte. Diese Zahl ist übrigens gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Das höchste Vertrauen genießen die vier führenden Auktionshäuser Christie's, Sotheby's, Phillips und Bonhams.

Am stärksten online aktiv sind die Millennials. Wer in dieser Altersklasse Kunst kauft, tat dies in den vergangenen zwölf Monaten zu 79 Prozent im Internet. Gerade für diese Generation sind Onlineplattformen oft der erste Schritt. Das bestätigte auch Bertold Müller, Managing Director Christie's Europe, anlässlich eines Interviews mit der „Presse am Sonntag“: Die Onlinestrategie sei einer der wichtigsten Wege, um Neukunden zu generieren. 41 Prozent der neuen Käufer seien 2018 über Onlineauktionen gekommen, die vor allem die jüngere Generation ansprechen.

Von den sozialen Medien ist Instagram die wichtigste Plattform. Für 65 Prozent ist es das Leitmedium, um Kunst zu entdecken. Das machen sich Künstler, Galerien und Auktionshäuser zunutze. Dass sich Instagram auch als Verkaufsplattform eignet, zeigt Brett Gorvy. Der ehemalige Direktor für zeitgenössische Kunst bei Christie's soll Millionenwerke über seine Posts verkauft haben. Instagram ermöglicht nicht nur, das intellektuelle Kapital zu pflegen, sondern auch das soziale.

kunstwerte@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2019)